Mit der Bibel beten (7) – 2 Thess 1

Mit der Bibel beten (7) – 2 Thess 1

Dave Brander
19 / 11 / 19

Die Bibel enthält Gebete von Jesus, Paulus, Johannes, David, Mose, Hanna, Maria und vielen anderen. In der Serie «Mit der Bibel beten» entdecken wir diese biblischen Gebete neu. Sie können unser Gebetsleben inspirieren und uns ermutigen, unsere Gebete neu an der Bibel auszurichten.

Deshalb beten wir auch allezeit für euch, dass unser Gott euch würdig erachte der Berufung und alles Wohlgefallen an der Güte und das Werk des Glaubens in Kraft erfülle, damit der Name unseres Herrn Jesus in euch verherrlicht werde und ihr in ihm nach der Gnade unseres Gottes und des Herrn Jesus Christus. – 2. Thessalonicher 1,11–12

Das Ziel vor Augen
Paulus ist zufrieden mit den Thessalonichern. Ihr Glaube und ihre Liebe sind gewachsen und stark geworden (vgl. 2 Thess 1,3). Wo immer er hinkommt, erzählt er den anderen Gemeinden von ihnen (vgl. V. 4). Trotzdem betet Paulus, dass sie von Gott «der Berufung würdig» erachtet werden. Ist es nicht völlig eindeutig, dass die Thessalonicher von Gott berufen sind? Die Bekehrung oder Berufung, die wir oft als Ziel verstehen, ist für Paulus nur der Anfang. Paulus hat in seinem Denken – und in diesem Brief ganz besonders – das Ziel im Blick: die Wiederkunft von Jesus. Jetzt beginnt das Wettrennen! «Ich jage auf das Ziel zu, hin zu dem Siegespreis der himmlischen Berufung in Christus Jesus.» (Phil 3,14). Die Idee, dass man sich nach der Bekehrung zurücklehnt und auf den Himmel wartet, hat mit dem Neuen Testament nicht viel zu tun. Jetzt geht es erst richtig los! Diesen Lauf der Gemeinde begleitet Paulus im Gebet.

Wie kann die Gemeinde ihr Ziel erreichen? Indem Gott in ihr zwei Werte zur «Fülle» bringt: Das «Wohlgefallen an der Güte» und das «Werk des Glaubens»:

Wohlgefallen an der Güte…
…kann auch mit «Entscheidung zum Guten» übersetzt werden. Das innere Koordinatensystem der Gemeinde soll sich auf das Gute ausrichten. Nicht auf persönlichen Profit oder Ansehen. Nicht auf einen geistlichen Guru oder auf eine neue Speziallehre. Die Gemeinde soll das Gute lieben – und das Gute tun. Es ist ganz simpel und ganz praktisch. Überall dort, wo «Wohlgefallen am Bösen» vorhanden ist, soll das Wertesystem neu geeicht werden: «Die Liebe freut sich nicht über die Ungerechtigkeit; sondern sie freut sich mit der Wahrheit» (1 Kor 13,6). Machen wir uns nichts vor: Der Hang zum Bösen ist Teil der menschlichen Natur. Es fällt uns ziemlich leicht, uns vom Bösen faszinieren zu lassen. Das «Wohlgefallen an der Güte» kann nur von Gott kommen. Deshalb ist es gut, dafür zu beten.

Werk des Glaubens…
…scheint paradox. Spricht nicht derselbe Paulus abschätzig von den Werken? Haben die «Werke» im Neuen Testament nicht einen negativen Beigeschmack? Nein. Die Vorstellung, dass gute Werke irgendwie schädlich wären, ist nicht biblisch. Paulus – und die gesamte Bibel – richtet sich nicht gegen die Werke an sich, sondern gegen den Gedanken, dass man sich durch gute Werke den Himmel verdienen kann. Der Himmel ist unverdient, das steht fest. Aber der Glaube bringt gute Werke bzw. Früchte hervor! Das lehrt Jesus (Mt 7,15–20), Paulus (Röm 6,13.22) und Jakobus (Jak 2,17). Es ist Zeit, mit einem alten Vorurteil aufzuräumen. Gute Werke sind etwas Gutes!

Aber es ist ein Werk des Glaubens. Das bedeutet, dass Gott aktiv ist. Durch den Glauben ist er in uns wirksam und bringt das gute Werk hervor. Deshalb betet Paulus für die Gemeinde der Thessalonicher: Gott möge das Werk des Glaubens und das Wohlgefallen an der Güte in der Gemeinde hervorbringen – und zwar nicht in einer homöopathischen Dosis, sondern «in Kraft».

Verschränkte Herrlichkeit
«Damit der Name unseres Herrn Jesus in euch verherrlicht werde…». Bei diesem Gebet dreht sich alles um Jesus. Sein Name soll unter den Thessalonichern verherrlicht werden. Paulus kennt keine persönliche Agenda. Es war nie sein Ziel, ein bekannter Missionar oder ein Autor biblischer Texte zu werden. Sein Lebensziel ist es, dass Jesus Christus verherrlicht wird. Es sollte das Ziel jeder Gemeinde sein.

«…und ihr in ihm.» Die Gemeinde, die an ihr Ziel gelangt, wird ebenfalls verherrlicht. Allerdings nicht aufgrund ihres Leistungsausweises, sondern «nach der Gnade unseres Gottes und des Herrn Jesus Christus». Es ist reine Gnade, dass sie mit-verherrlicht wird.

Konkret:

  • Bete dafür, dass du «Wohlgefallen an der Güte» erhältst. Dass dein persönliches Wertesystem und dasjenige deiner Gemeinde auf das Gute ausgerichtet wird.
  • Bete für ein grosses «Werk des Glaubens». Gott hat gewaltige Pläne mit dieser Welt, die er durch dich und deine Gemeinde vollbringen will. Bete, dass Gott dich gebraucht, um zu seinem Ziel zu kommen.
  • Bete, dass Jesus verherrlicht wird – in deinem persönlichen Leben und in deiner Gemeinde. Es geht allein um ihn.