Mit der Bibel beten (6) – 1 Thess 3

Mit der Bibel beten (6) – 1 Thess 3

Dave Brander
05 / 11 / 19

Die Bibel enthält Gebete von Jesus, Paulus, Johannes, David, Mose, Hanna, Maria und vielen anderen. In der Serie «Mit der Bibel beten» entdecken wir diese biblischen Gebete neu. Sie können unser Gebetsleben inspirieren und uns ermutigen, unsere Gebete neu an der Bibel auszurichten.

Denn was für Dank können wir Gott eurethalben abstatten für all die Freude, womit wir uns euretwegen freuen vor unserem Gott, wobei wir Tag und Nacht aufs inständigste bitten, euer Angesicht zu sehen und das zu vollenden, was an eurem Glauben mangelt? Unser Gott und Vater selbst aber und unser Herr Jesus richte unseren Weg zu euch. Euch aber mache der Herr reicher und überströmend in der Liebe gegeneinander und gegen alle - wie auch wir gegen euch sind -, um eure Herzen zu festigen, untadelig in Heiligkeit zu sein vor unserem Gott und Vater bei der Ankunft unseres Herrn Jesus mit allen seinen Heiligen. – 1 Thess 3,9–13

Gebet nonstop
Paulus hatte die Gemeinde von Thessaloniki selbst gegründet (vgl. Apg 17,1–9). Als die Verfolgung durch die Juden einsetzte, musste er mitten in der Arbeit fliehen. Er verliess Thessaloniki und reiste über Beröa nach Athen. Doch die neu gegründete Gemeinde liess ihn nicht in Ruhe. Konnte sie der Verfolgung standhalten? Oder war sie bereits abgefallen? Er musste es wissen! «Deshalb, da wir es nicht länger aushalten konnten, beschlossen wir, allein in Athen zurückzubleiben, und wir sandten Timotheus, unseren Bruder und Mitarbeiter Gottes in dem Evangelium des Christus, um euch zu stärken und zu trösten eures Glaubens wegen, dass niemand wankend werde in diesen Bedrängnissen.» (1 Thess 3,1–3)

Timotheus kehrt zu Paulus zurück und berichtet ihm, dass die Gemeinde nicht abgefallen ist. Er erzählt ihm von dem Glauben und der Liebe der Gemeinde (vgl. 1 Thess 3,6). Paulus ist erleichtert. Trotzdem will er die Gemeinde unbedingt selbst besuchen. Deshalb betet er «bei Tag und bei Nacht» dafür, die Thessalonicher wiederzusehen. Er belässt es nicht bei einem kurzen Stossgebet, sondern er betet «nonstop».

Das unablässige, regelmässige Gebet hat eine lange Tradition in der Bibel. Schon die Opfer in der Stiftshütte wurden jeden Morgen und jeden Abend dargebracht. Im Tempel wurde auch nachts gebetet (vgl. Ps 134). Gott ruft dazu auf, Tag und Nacht für Jerusalem zu beten (vgl. Jes 62,6). Und Jesus selbst ruft seine Jünger dazu auf, «allezeit» und «Tag und Nacht» zu Gott zu rufen (vgl. Lk 18,1.7).

Paulus betet unablässig für die Gemeinde. Damit lebt er vor, was er von den Thessalonichern ebenfalls erwartet: «Betet unablässig!» (1 Thess 5,17). Das erwartet Gott auch von uns.

Das wirft einen neuen Blick auf unser Gebetsleben. Es besteht nicht aus in sich abgeschlossenen Gebetszeiten, die zu bestimmten Tageszeiten absolviert werden sollen. Gebet findet mitten im Leben statt, am Tag und in der Nacht, während der Arbeit und der Freizeit, allein und gemeinsam mit anderen. Es durchdringt das ganze Leben. Fest definierte Gebetszeiten können helfen, einen Lebensstil des Gebets im Alltag zu integrieren.

Gegen innen und aussen
Wofür betet Paulus? Wieder einmal für die Liebe: «Euch aber mache der Herr reicher und überströmend in der Liebe gegeneinander und gegen alle». Die Liebe der Thessalonicher soll in zwei Richtungen zunehmen: a) gegen innen und b) aussen.

a) Sie sollen befähigt werden, einander zu lieben. Zwei Kapitel später präzisiert der Apostel, wie er sich eine liebende Gemeinde vorstellt:

  • Sie ehren die Gemeindeleiter (5,12)
  • Sie halten Frieden miteinander (5,13)
  • Sie weisen die Unordentlichen zurecht (5,14)
  • Sie trösten die Ängstlichen (5,14)
  • Sie nehmen sich der Schwachen an (5,14)
  • Sie sind geduldig mit allen (5,14)

Die Liebe wird also konkret. Sie zeigt sich im Leben der Gemeinde. Damit das geschehen kann, braucht es Gebet. Aus dem Gebet wächst die Liebe.

b) Aber nicht nur innerhalb der Gemeinde soll die Liebe zunehmen. Die Thessalonicher sollen befähigt werden, alle Menschen zu lieben. Auch diejenigen, die sie verfolgen und vor Gericht zerren (vgl. Apg 17,6–9). Ihren Hassern sollen sie nicht mit Hass, sondern mit Liebe begegnen. Ohne Gebet ist das vollkommen unmöglich.

Blick auf die Ewigkeit
«…um eure Herzen zu festigen, untadelig in Heiligkeit zu sein vor unserem Gott und Vater bei der Ankunft unseres Herrn Jesus mit allen seinen Heiligen.» – das ist typisch für die apostolischen Gebete. Der Fokus liegt nicht auf dem Hier und Jetzt, sondern auf der Ewigkeit. Die Liebe der Thessalonicher soll zunehmen – nicht, damit sie ein fröhliches Leben auf dieser Erde führen können, sondern damit sie bereit sind, wenn Jesus wiederkommt.

In der Gemeinde von Thessaloniki gab es viel Streit über die Wiederkunft Jesu (vgl. 1 Thess 4,13–5,11; 2 Thess 2,1–12). Verschiedene Theorien kursierten darüber, wann Jesus wiederkommen würde. Sie versetzen die Gemeinde in Unruhe. Die Herzen der Gemeindeglieder waren nicht mehr fest.

Dieser Not begegnet Paulus auf zwei Wegen: Er lehrt die Gemeinde über die Wiederkunft des Herrn und er betet dafür, dass ihre Herzen in der Liebe fest werden. Es benötigt beides: Lehre und Gebet. Das eine schliesst das andere nicht aus.

Konkret:

  • Bete nonstop. Nicht im Sinn einer religiösen Übung – es nützt nichts, zu «plappern wie die Heiden» (Mt 6,7). Aber lass das Gebet zu deinem Lebensstil werden. «Gebet ist nicht alles, aber ohne Gebet ist alles nichts» (Johannes Hartl).
  • Bete um Zunahme der Liebe. Wie würde deine Gemeinde aussehen, wenn sie gegen innen und gegen aussen mit Liebe gefüllt ist? Bete, dass die Liebe konkret wird: dass eine Kultur der Ehre entsteht und dass die Gemeinde mit Frieden erfüllt wird. Bete, dass die Liebe der Gemeinde auch gegen aussen zunimmt.
  • Tritt Irrlehren im Gebet entgegen. Die Gemeinde in Thessaloniki war stark verunsichert, was die Wiederkunft von Jesus anbelangte. In deiner Gemeinde mag es ein anderes Thema sein. Vielleicht bist du nicht in der Position, dass du darüber lehren kannst. Aber beten kannst du auf jeden Fall!