Mit der Bibel beten (5) – Phil 1 und Kol 1

Mit der Bibel beten (5) – Phil 1 und Kol 1

Dave Brander
29 / 10 / 19

Die Bibel enthält Gebete von Jesus, Paulus, Johannes, David, Mose, Hanna, Maria und vielen anderen. In der Serie «Mit der Bibel beten» entdecken wir diese biblischen Gebete neu. Sie können unser Gebetsleben inspirieren und uns ermutigen, unsere Gebete neu an der Bibel auszurichten.

Und um dieses bete ich, dass eure Liebe noch mehr und mehr überströme in Erkenntnis und aller Einsicht, damit ihr prüft, worauf es ankommt, damit ihr lauter und unanstössig seid auf den Tag Christi, erfüllt mit der Frucht der Gerechtigkeit, die durch Jesus Christus gewirkt wird, zur Herrlichkeit und zum Lobpreis Gottes. – Philipper 1,9–11

Die Gemeinde in Philippi hatte einen speziellen Platz im Herzen von Paulus. Sie war die erste Gemeinde, die er auf europäischem Boden gründete (vgl. Apg 16). Die Philipper unterstützen Paulus finanziell während seiner Gefangenschaft in Rom (vgl. Phil 4,10–20). Epaphroditus hatte die Gabe auf einer beschwerlichen Reise bis nach Rom zu Paulus gebracht. In Rom wurde er schwerkrank. Als er durch Gottes Eingreifen wieder gesund geworden war, sandte ihn Paulus an die Philipper zurück – zusammen mit dem Philipperbrief (vgl. Phil 2,25–30).

Paulus wusste: Diese Gemeinde hat gelernt, zu lieben. Sie unterstützt ihn im Gefängnis. Sie denkt nicht nur an sich selbst, sondern sie hat den Missionsauftrag im Blick (vgl. Phil 1,5). Wie kann er für diese Gemeinde beten?

Liebe macht nicht blind
Paulus sieht die Liebe, die bei den Philippern bereits vorhanden ist. Und er betet um eine Zunahme der Liebe «in Erkenntnis und Einsicht». Liebe und Erkenntnis sind miteinander verknüpft. Die Korinther besitzen viel Erkenntnis, aber es fehlt ihnen an Liebe (vgl. 1 Kor 8,1–3). Die Philipper haben ihre Liebe bereits bewiesen, nun soll sie weiter geschärft werden: Sie soll an Erkenntnis und Einsicht zunehmen. Liebe macht nicht blind. Sie ist nicht ein diffuses Gefühl, das alles mit Wohlgefallen zudeckt. Sie befähigt dazu, mit Klarheit und Feingefühl herauszufinden, «worauf es ankommt». Jeder Christ, jede Gemeinde steht vor unzähligen Entscheidungen. Nicht jede Entscheidung ist einfach zu treffen. Welche Person soll ich heiraten? Welchen Job soll ich wählen? Welche Aufgabe soll ich in der Gemeinde wahrnehmen? Welchen Weg sollen wir als Gemeinde gehen? Manchmal muss man eine Entscheidung zwischen zwei guten Optionen treffen.

Entscheidend beten
Hier setzt das Gebet von Paulus ein: Für diese Entscheidung braucht es Liebe – und Erkenntnis. Da du beides nicht erzwingen kannst, bete dafür. Manchmal wird Gott direkt und klar sprechen, welche Option du wählen sollst. Manchmal wird er dir eine Zunahme der Liebe oder eine zündende Idee schenken, die dich die beste Option wählen lässt. Auf jeden Fall beginnt der Prozess im Gebet. Phil 1,9–11 ist ein Gebet, das du vor entscheidenden Situationen zur Hilfe nehmen kannst. Ebenso das Gebet in Kol 1,9–12. Die beiden Gebete sind miteinander verwandt:

Wir hören nicht auf...für euch zu beten und zu bitten, dass ihr mit der Erkenntnis seines Willens erfüllt werdet in aller Weisheit und geistlichem Verständnis, um des Herrn würdig zu wandeln zu allem Wohlgefallen, fruchtbringend in jedem guten Werk und wachsend durch die Erkenntnis Gottes, gekräftigt mit aller Kraft nach der Macht seiner Herrlichkeit, zu allem Ausharren und aller Langmut, mit Freuden dem Vater danksagend. Er hat euch fähig gemacht zum Erbe der Heiligen im Licht.
(Kolosser 1,9–12)

Auch hier geht es um entscheidende Situationen. Paulus spricht an dieser Stelle nicht von Sünde. Wenn die eine Option sündhaft ist, braucht es nicht «Weisheit und geistliches Verständnis», sondern schlicht Gehorsam. Aber es gibt viele Situationen, in denen zwei gute Optionen gewählt werden können.

Das Ziel
Die beiden Gebete legen auch das Ziel fest. Es liegt nicht darin, dass wir ein gutes, sicheres Leben führen können. Sondern, dass wir das Reich Gottes effizient aufbauen können. Wir sollen Frucht bringen und in der Erkenntnis Gottes wachsen, damit wir bereit sind, wenn Jesus wiederkommt (vgl. Phil 1,10).

Das ist das Ziel. Daran sollen wir unsere Entscheidungen ausrichten. Manchmal werden wir Entscheidungen treffen, die aus der Sicht menschlicher Weisheit unsinnig, lächerlich oder sogar gefährlich sind. Manchmal werden wir die für uns scheinbar schlechtere Wahl treffen müssen – damit wir das grosse Ziel erreichen. Dazu benötigen wir Liebe, Einsicht, Weisheit und geistliches Verständnis.

Philippi war nicht nur die Stadt mit der ersten christlichen Gemeinde auf europäischem Boden. Philippi war auch die Stadt, in der Paulus und Silas verhaftet und ins Gefängnis geworfen wurden. Was machen die zwei Gefangenen, die um Mitternacht in völliger Dunkelheit im innersten Kerker des Gefängnis liegen, ihre Füsse in einen schweren Holzblock eingeschlossen?

Sie singen. Ist das sinnvoll? Ist es vernünftig? Nein. Sie stören die Nachtruhe im Gefängnis. Vordergründig ist es keine gute Strategie, um heil aus dem Gefängnis zu kommen. Sie müssen mit noch grösserer Demütigung oder mit Gewaltanwendung rechnen. Aber es ist Gottes Strategie, um Befreiung zu bringen. Nicht nur die physische Freiheit für Paulus und Silas. Sondern auch die geistliche Befreiung für den Gefängniswärter und seine ganze Familie.

Konkret:

  • Verlass dich nicht auf deinen Verstand. Gottes Strategien sind aus menschlicher Sicht manchmal völlig sinnlos. Stell deinen Verstand nicht aus. Aber stelle ihn in den Dienst Gottes.
  • Bete vor entscheidenden Situationen. Bitte Gott darum, dass er dich erkennen lässt, welche Option zielführend ist. Und dann handle mutig.
  • Behalte das Ziel im Auge: nicht dein persönliches Wohlergehen, sondern das Reich Gottes. Nicht deinen Reichtum, sondern dass du «in jedem guten Werk Frucht bringst». Nicht, dass deine Gemeinde gute Zahlen vorweisen kann, sondern dass sie bereit ist, wenn Jesus wiederkommt.