Mit der Bibel beten (3): Epheser 3

Mit der Bibel beten (3): Epheser 3

Dave Brander
17 / 10 / 19

Die Bibel enthält Gebete von Jesus, Paulus, Johannes, David, Mose, Hanna, Maria und vielen anderen. In der Serie «Mit der Bibel beten» entdecken wir diese biblischen Gebete neu. Sie können unser Gebetsleben inspirieren und uns ermutigen, unsere Gebete neu an der Bibel auszurichten.

«Deswegen beuge ich meine Knie vor dem Vater, von dem jede Vaterschaft, die es im Himmel und auf Erden gibt, ihren Namen trägt: er wolle euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit verleihen, durch seinen Geist am inwendigen Menschen mit Kraft ausgerüstet zu werden, damit Christus durch den Glauben Wohnung in euren Herzen nehme und ihr in der Liebe tiefgewurzelt und festgegründet dastehet, auf dass ihr fähig werdet, im Verein mit allen Heiligen die Breite und Länge, die Tiefe und Höhe des göttlichen Heilsratschlusses zu erfassen und die alle Erkenntnis übersteigende Liebe Christi kennenzulernen, damit ihr schliesslich zum Erfülltsein mit der ganzen Gottesfülle gelangt. Ihm aber, der nach der Kraft, die in uns wirksam ist, unendlich mehr zu tun vermag über alles hinaus, was wir erbitten und erdenken können: ihm gebührt die Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus bis hinaus auf alle Geschlechter aller Zeiten der Ewigkeit! Amen.» – Eph 3,14–21

Der Referenzpunkt
Wie viel erwartest du von Gott, wenn du betest? So viel, wie du glauben kannst? So viel, wie dir aufgrund deiner Frömmigkeit zusteht? Ich ertappe mich oft dabei, dass ich mich selbst zum Referenzpunkt meiner Gebete mache. Fühle ich mich geistlich stark, erwarte ich viel von Gott. Bin ich wegen Sünde oder Enttäuschung niedergeschlagen, sind meine Gebete entsprechend mutlos und ich erwarte weniger von Gott in meinen Gebeten. Oder ich bete überhaupt nicht, weil ich mir wie ein Versager vorkomme.

Paulus orientiert sich an einem ganz anderen Referenzpunkt: nicht an sich selbst, sondern am «Reichtum seiner Herrlichkeit». Sein Gebet richtet sich an einer Dimension aus, die alle menschliche Vorstellungskraft sprengt. Paulus bittet Gott nicht darum, so viel zu tun, wie aus menschlicher Sicht möglich oder sinnvoll ist. Sondern er bittet Gott, so viel zu tun, wie es dem Reichtum Seiner Herrlichkeit entspricht. Und dieser Reichtum ist so gross, dass Paulus schon im Voraus weiss: Unsere menschlichen Erwartungen werden bei weitem übertroffen. Gott kann unendlich mehr tun, als wir bitten oder erdenken können. Wenn Paulus betet, rechnet er mit dem Gott, dem nichts unmöglich ist.

Es ist hilfreich, in unseren Gebeten denselben Referenzpunkt zu setzen. Wie würden wir beten, wenn wir erwarten würden, dass Gott nach dem «Reichtum seiner Herrlichkeit» hereinbricht und unsere Gebete beantwortet? Wie mutig und wie kühn wäre unser Gebetsleben, wenn es nicht um uns, sondern um Gottes Herrlichkeit geht?

Der Vater aller Vaterschaft
Für Paulus ist dieser unendlich mächtige Gott keine entfernte Grösse, die man mit religiösen Übungen gnädig stimmen oder auf sich aufmerksam machen müsste. Gott ist der Vater aller Vaterschaft, der ultimative, grösste, grossherzigste Vater, den man sich denken kann. Er ist der Papa. Vor diesem Vater kniet Paulus nieder. Er rechnet mit Gottes Macht, die in ungeahnten Dimensionen hereinbrechen wird. Gleichzeitig darf er mit seinem Vater vertraut und persönlich sprechen. Diese unglaubliche Spannweite nimmt Jesus im ersten Satz seines Gebets auf: «Unser Vater – im Himmel». Gott ist ein liebevoller, fürsorglicher Papa. Gleichzeitig ist er der mächtige, herrliche, himmlische Gott. In dieser Spannung bewegt sich unser Gebet. Gebet ist ein vertrautes Beziehungsgespräch mit dem Gott, der alle Dimensionen sprengt.

Der Fokus
Wofür betet Paulus in diesem Gebet?

  • Für die Gemeinde. Sie ist der Fokus aller Gebete von Paulus. Er betet nicht primär für die nichtchristliche Welt. Er betet für die Gemeinde, weil er weiss: Wenn die Gemeinde stark und mündig ist, wird sie ihren Auftrag in dieser Welt wahrnehmen. Sie wird Salz und Licht sein.
  • Für Kraft. «… durch seinen Geist am inwendigen Menschen mit Kraft ausgerüstet zu werden, damit Christus durch den Glauben Wohnung in euren Herzen nehme…» Die Gemeinde soll mit der Kraft des Heiligen Geistes ausgerüstet werden. Christus soll in jedem Bereich ihrer Herzen einziehen.
  • Für Liebe. «… und ihr in der Liebe tiefgewurzelt und festgegründet dasteht.» Wie ein Baum seine Wurzeln tief in den Boden schlägt, sollen die Epheser in der Liebe tiefgewurzelt sein. Eine Gemeinde, die in der Liebe Gottes verwurzelt ist, fällt nicht so schnell um. Deshalb betet Paulus, dass die Gemeinde «… die alle Erkenntnis übersteigende Liebe Christi kennenlernt». Eigentlich ein Paradox: Die Liebe soll erkannt werden, aber sie übersteigt alle Erkenntnis. Die Liebe zu Gott und den Menschen ist das höchste Gebot und unsere höchste Berufung. Deshalb sollte das Gebet um Liebe ein prioritäres Gebetsanliegen sein.

Konkret:

  • Bete zum Vater. Und bete zum mächtigen Gott. Du darfst vertraut mit ihm beten. Gebet ist ein Beziehungsgespräch. Und du darfst alles von ihm erwarten, seine Möglichkeiten sind unbegrenzt!
  • Bete um Zunahme der Liebe. Es ist vielleicht ungewöhnlich, zu beten, dass die Liebe zunimmt. Oft meinen wir, dass Liebe ein spontanes Gefühl ist, das man nicht herbeibeten kann. Aber Paulus betet mehrmals in seinen Gebeten um Zunahme der Liebe. Mache es zu deinem persönlichen Gebet.