Mit der Bibel beten (2): Epheser 1

Mit der Bibel beten (2): Epheser 1

Dave Brander
07 / 10 / 19

Die Bibel enthält Gebete von Jesus, Paulus, Johannes, David, Mose, Hanna, Maria und vielen anderen. In der Serie «Mit der Bibel beten» entdecken wir diese biblischen Gebete neu. Sie können unser Gebetsleben inspirieren und uns ermutigen, unsere Gebete neu an der Bibel auszurichten.

«Der Gott unsers Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, wolle euch den Geist der Weisheit und der Offenbarung durch die Erkenntnis seiner selbst verleihen und euren Herzen erleuchtete Augen (verleihen), damit ihr begreift, welche Hoffnung ihr infolge seiner Berufung habt, wie gross der Reichtum seines herrlichen Erbes bei den Heiligen ist, und wie überschwänglich seine Kraft sich an uns, den Gläubigen, erweist, nämlich die mit gewaltiger Macht sich betätigende Stärke, die er an Christus erwiesen hat, als er ihn von den Toten auferweckte und ihn in der Himmelswelt zu seiner Rechten sitzen liess, hocherhaben über jede Herrschaft und Gewalt, über jede Macht und Hoheit, überhaupt über jeden Namen, der nicht nur in dieser, sondern auch in der zukünftigen Weltzeit genannt wird. Ja, alles hat er ihm zu Füssen gelegt und hat ihn zum alles überragenden Haupt gemacht für die Gemeinde, die sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allen erfüllt.» – Eph 1,17–23

Wisse, zu wem du betest
Christen haben die erstaunliche Fähigkeit entwickelt, ihren Kummer und ihr Jammern subtil in Gebetform zu packen und so ihre Mitchristen darüber zu informieren, wie schlecht es ihnen geht: «Herr, du weisst, wie sehr ich leide…». Alle sollen hören, wie viel Schlimmes ich in meinem Leben erlebt habe! Paulus hätte allen Grund gehabt, jammernd zu beten. Er schreibt den Brief an die Epheser aus dem Gefängnis heraus. Umso erstaunlicher ist es, dass er im Gebet keine Silbe über sich selbst oder seine Situation verliert. Sein ganzer Fokus gilt dem «Gott unseres Herrn Jesus Christus», dem «Vater der Herrlichkeit». Das bestimmt sein ganzes Gebet. Paulus betet nicht als zerbrochener Mann im Gefängnis, sondern als jemand, der weiss, zu wem er betet.

Wir müssen Gott nicht darüber informieren, wie schlecht es uns geht. Gebet ist nicht primär die Aufzählung schlechter Nachrichten, die dann mit einem «Amen» abgeschlossen wird. Es richtet sich an den «Vater der Herrlichkeit»! An den Gott, der alles kann. Der Blick wendet sich ab von meinen Problemen, hin zu Gottes Macht und Herrlichkeit. Der Blick ruht nicht auf mir – das wäre ein Selbstgespräch! – sondern auf Gott. Die wichtigste Person im Gebetsdialog bin ich nicht, sondern Gott. Wisse, zu wem du betest!

Gott erkennen – erleuchtete Herzensaugen
Diese Realität, dass Gott der «Vater der Herrlichkeit» ist, prägt das ganze Gebet von Paulus. Er betet darum, dass die Epheser Gott erkennen. Das ist sein Hauptanliegen! Er betet für den «Geist der Weisheit und Offenbarung in der Erkenntnis seiner selbst». Weiter betet er für «erleuchtete Herzensaugen», damit die Epheser erkennen, welche Hoffnung, welchen Reichtum und welche Kraft sie bereits empfangen haben. Gott muss ihnen dafür die inneren Augen öffnen, sonst erkennen sie es nicht. Wenn Gott sie nicht sehend macht, bleiben sie blind. Der Fokus dieses Gebets liegt nicht darauf, Gott zu überzeugen, dass er die Epheser mit Hoffnung, Reichtum und Kraft ausrüsten sollte. Er hat es bereits getan, nur sehen es die Epheser noch nicht – und wir auch oft nicht! Aber unsere Leben wären nicht mehr dieselben, wenn wir erkennen würden, wer Gott ist und was er bereits für uns getan hat.

  • Wir sind hoffnungsvoll: Gott hat uns als seine Kinder und Mitarbeiter in seinem Reich berufen.
  • Wir sind reich: Als Kinder Gottes sind wir Erben (vgl. Röm 8,17). Wir sind reicher beschenkt, als wir es je für möglich halten würden.
  • Wir sind kraftvoll: Dieselbe Kraft, die Christus von den Toten auferweckte, ist in uns wirksam.

Den Fokus behalten
Das Gebet ist noch nicht fertig. Man könnte meinen, dass Paulus nun zu den «richtigen» Anliegen kommt. Gegen den Tempel der Artemis könnte man beten, der prominent auf einem Hügel über Ephesus stand (vgl. Apg 19,28–41). Oder man könnte den Silberschmied Demetrius nochmals «ins Gebet» nehmen, dessen Aufruhr in Ephesus Paulus fast das Leben gekostet hatte (vgl. Apg 19,23–27).  All das betet Paulus nicht. Ihn interessieren nicht so sehr die Probleme, von denen es in der Stadt Ephesus mehr als genug gibt. Ihn interessiert Jesus, der über «jede Macht und Hoheit» und damit auch über der Göttin Artemis thront. Paulus betet den an, dem alles unter die Füsse gelegt worden ist, auch Demetrius und andere Verfolger der Gemeinde.

Es gibt eine Zeit für «konkrete» Anliegen der Gemeinde. Es gibt auch eine Zeit für geistliche Kampfführung gegen falsche Götzen in der Stadt. Aber mit diesem Gebet zeigt die Bibel den Fokus auf, der für alle unsere Gebete gelten sollte: Der Fokus ist Gott. Seine Herrlichkeit. Seine Möglichkeiten. Seine Herrschaft.

Konkret:

  • Beginne dein Gebet nicht mit «Ich», sondern mit «Du». Wer ist dieser Gott, zu dem betest? Was kann er? Wie herrlich, mächtig, heilig ist er? Sprich es ihm zu, bevor du deine Anliegen nennst – es wird deine Art, zu beten, verändern.
  • Rechne mit Gottes Möglichkeiten. Versuchst du, Gott von deiner Mission zu überzeugen? Bist du der aktive Part, während Gott passiv erscheint? Dann richte dein Gottesbild neu an der Bibel aus. Bete um erleuchtete Herzensaugen, die sehen, was Gott bereits getan hat und heute noch tut.
  • Rechne mit einem souveränen Gott. Proklamiere über schwierigen Situation in deinem Leben, in deiner Familie, Gemeinde, Ortschaft, Kanton und Land: Jesus sitzt hoch erhöht zur Rechten Gottes, «hocherhaben über jede Herrschaft und Gewalt». Erhebe den Namen Jesu über deinen Problemen. Über Krankheit in deinem Leben. Über Gottlosigkeit und Lauheit in deiner Gemeinde. Über ungöttlichen politischen Systemen in deinem Land. Gott ist souverän. Er hat das letzte Wort.