Parlamentswahlen: Die Pläne Gottes über allem

Parlamentswahlen: Die Pläne Gottes über allem

Joël Reymond
03 / 09 / 19

In diesem Herbst ist das Volk aufgerufen, seine 246 nationalen Repräsentanten zu wählen. Ist das der Moment, um unser Gebet für sie zu erneuern? Und wenn ja, wie können wir richtig für dieses Thema beten? Im Gespräch mit drei Experten.

Das schweizerische Parlament wird am 20. Oktober gesamterneuert. In dieser Konstellation wird es vier Jahre lang arbeiten. Die Wahllisten der Parteien sind bereits seit Monaten gesetzt. Der Klimawandel ist das bestimmende Thema im Wahlkampf aller Parteien. Aus menschlicher Sicht kann man den Eindruck gewinnen, dass die Wahlergebnisse vorhersehbar und «die Würfel gefallen» sind.

Die Pläne Gottes über allem
Die Bibel sagt nicht direkt, wie wir für Wahlen beten können. Der Pastor und Tessiner Kantonsfahnenträger Milco Margaroli stellt fest: Die Wochen vor der Wahl laden zum Gebet ein, aber nicht zwingend zu mehr (oder weniger) Intensität als gewöhnlich. Er legt lediglich Wert auf ein «saisonales Gebet», das heisst: zu beten, dass die Pläne Gottes für die Schweiz realisiert werden und dass diejenigen Kandidaten gewählt werden, die für diese Pläne einstehen.

Die Rolle der Christen
Annette Walder, Bundeshausbeterin seit 2013, bekräftigt: «Wenn ich glaube, dass Gott Pläne mit unserem Land hat, dann ist es die Verantwortung der Christen, zu beten und zu vertrauen, dass ihre Gebete einen Einfluss haben werden.» Die irdische Autorität kann Gottes Pläne nicht erfüllen ohne das Gebet seines Volkes. Ist es denn so, dass die Christen die Pläne Gottes immer erkennen? «Nicht immer», räumt Annette Walder ein. «Gott sieht viel weiter als wir. Deshalb beten wir ‹Dein Wille geschehe›».

Kein Parteidenken
Aber Vorsicht: Die «Kandidaten Gottes» sind nicht zwingend als Christen bekannt. Annette Walder illustriert dies anhand von Kyrus, einem heidnischen Herrscher, dessen politische Handlungen Gott gebrauchte, um seine Pläne zu vollbringen. Milco Margaroli bekräftigt: «Wenn wir darum beten, dass eine bestimmte Partei die Wahlen gewinnt, beten wir für unsere eigenen Bedürfnisse und nicht diejenigen Gottes. Ich persönlich proklamiere bei solchen Wahlen, dass ein Sortierprozess angestossen wird. Diejenigen Parlamentarier, die nur ihre eigenen Interessen vertreten, sollen mit solchen ausgewechselt werden, deren Priorität es ist, dem Land zu dienen.» Jacques-André Maire, der im Herbst als SP-Nationalrat zurücktreten wird, erklärt, dass er im persönlichen Gebet einsteht für «Menschen, die bereit sind, die Werte des Evangeliums, die auch unsere Bundesverfassung beeinflusst haben, zu verteidigen. Insbesondere die Solidarität, die soziale Gerechtigkeit und der Respekt gegenüber anderen.»

Im Gewissen und durch Umstände
Jacques-André Maire beobachtet, dass es für die Parlamentarier zunehmend schwieriger wird, aufgrund ihrer Überzeugung abzustimmen, weil die Parolen in gewissen Parteien Vorrang haben. Und er stellt einen weiteren Faktor fest: Die Themen und Problematiken, die während der Wahlkampfperiode plötzlich auftauchen. «Das Gebet behält jedoch seine ganze Bedeutung, indem Gott durch Umstände oder direkt im Gewissen der Parlamentarier wirken kann.» Sodass sie ihre Meinung ändern? «Ja, absolut», sagt Annette Walder. Die Zürcherin teilt ihre eigenen Wahlstimmen gerne unter mehreren Parteien auf: «Ein solcher ‹Mix› passt für mich zu unserer Schweizer Demokratie.» Sie erzählt, dass es schon vorkam, dass sie, nachdem sie auf Gott gehört hatte, einen Namen auf die Wahlliste setzte, den sie zu Beginn ausgeschlagen hatte.

 

 

«Die Kandidaten Gottes sind nicht zwingend als Christen bekannt.» – Annette Walder

 

 


«Ich bete, dass durch die Wahlen ein Sortierprozess im Parlament angestossen wird.» – Milco Margaroli

 

 


«Die aktuellen Themen haben in der Wahlkampfperiode viel Gewicht. Gott kann auch durch die Umstände wirken» – Jacques-André Maire

 

 

(Bildnachweis Titelbild: Parlamentsdienste, 3003 Bern)