Jean-Luc Trachsel: «Es wird keine Erweckung geben, wenn...»

Jean-Luc Trachsel: «Es wird keine Erweckung geben, wenn...»

Joël Reymond
25 / 07 / 19

Der welsche Evangelist Jean-Luc Trachsel ist bekannt für seine öffentlichen Veranstaltungen, an denen Tausende von Menschen teilnahmen (die Presence-Konferenz, die Holy Spirit Nights und andere). Er wurde bereits in über 70 Länder eingeladen, um zu predigen. Viele Heilungswunder begleiten seine Predigten. Im Jahre 2002 war er Mitbegründer der Internationalen Vereinigung der Heilungsdienste. Oh! Und wir können hinzufügen, dass der fünfzigjährige, in Oron (VD) wohnhafte Evangelist einer der Schweizer mit den meisten Twitter-Followern ist.

Was weniger bekannt ist, ist der Mann des Gebets. Jean-Luc Trachsel baut seinen eigenen Dienst auf dem Gebet auf und lädt diejenigen, die ihm zuhören, ständig dazu ein, mehr zu beten. Als Teil der Initiative «Europe shall be saved» (Europa soll gerettet werden), die er im Jahr 2016 mitgegründet hatte, plant er die Schaffung von 5'000 Gebetshäusern, in denen Christen aus allen Gesellschaftsschichten rund um die Uhr für eine Erweckung in Europa einstehen.

Wie soll Europa gerettet werden?
Das Bestreben von «Europe shall be saved» gibt Antwort auf diese Frage. Es ist ihr Bestreben, einhundert Millionen Euroäer zum Glauben an Jesus Christus zu bringen und zehntausende Evangelisten zusammen mit Gemeindegründungsbewegungen zu «erziehen» (das bedeutet: sie zu rekrutieren, identifizieren und auszubilden). «Gott hat ein grossartiges Werk auf unserem Kontinent begonnen. Es ist kein Projekt für die ferne Zukunft», warnt der Evangelist. «Aber nie in der Geschichte hat es eine Erweckung oder Reformation gegeben, die nicht von einer grossen Bewegung des Gebets vorbereitet und dann durch Fürbitte unterstützt worden wäre. Die Schrift bezeugt dieselbe Realität: Gebet ist notwendig.»

Gebahnte Wege
Und wie soll sich gemäss Jean-Luc Trachsel dieses Gebet artikulieren und entfalten? Als Leiter steht er in enger Beziehung zu den «Feldarbeitern»: den Strassenevangelisten oder den Gemeinden, die einen Alphalive-Kurs veranstalten. «Ich fühle mich nicht wohl mit geistlicher Exotik oder abgehobenen Praktiken, die im dritten oder siebten Himmel etwas binden und lösen wollen oder was weiss ich… Ich weiss jedoch, dass ein Evangelist wie ich und so viele andere niemals denselben Erfolg haben werden, wenn wir ohne die Unterstützung der Fürbitter predigen; das ändert alles.»
Ausserdem zeigt «Europe shall be saved» bei allen, die das wollen, jeden Tag um 17 Uhr eine Benachrichtigung auf ihrem Smartphone an, um sie an die Wichtigkeit des persönlichen Gebets zu erinnern.

Eine Reise nach Augsburg in den Vierziger Jahren und heute
Um in einem Bild zu sprechen: «In einer Armee wären die Fürbitter die Luftwaffe. Sie machten den Boden frei, damit die Infanterie eingreifen konnte. Beide sind unzertrennlich und beide sind unverzichtbar.» Passend zur Anekdote findet die nächste Gebetskonferenz von «Europe shall be saved» im kommenden Winter in Augsburg statt, der Stadt, in der sich der Führungsstab der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg niedergelassen hatte (in einer ehemaligen jüdischen Schule!). Augsburg beherbergt heute das grösste Gebetshaus Europas (mit rund fünfzig vollangestellten Fürbittern) und den Leter der Gebetsabteilung von «Europe shall be saved», den katholischen Theologen Dr. Johannes Hartl.

Tausende Gebetshäuser – weshalb?
Jean-Luc Trachsel ist klar: «Wir brauchen eine echte Strategie, um das Gebet auf diesem Niveau in Europa zu fördern. Wir müssen – und das ist bereits der Fall – Hunderttausende von Fürbittern aufstehen lassen.» Gerade Gebetshäuser sind ein wesentlicher Teil dieser Strategie. «Wir möchten Hunderte und sogar Tausende auf dem Kontinent pflanzen.» Doch warum müssen zusätzliche Strukturen geschaffen werden, die dem Gebet, der Kontemplation und der Fürbitte gewidmet sind, während solche «Häuser» in Europa bereits zu Zehntausenden existieren: unsere Kirchen! In Frankreich müssen beispielsweise mehrere hundert stillgelegte religiöse Gebäude zum Verkauf angeboten werden und werden zu Weinkellern, Gemeinschaftsräumen und Sporthallen ...
«Wenn wir die Kirchen benutzen können, natürlich», antwortet Jean-Luc Trachsel. «Wir fordern Priester und Pastoren heraus: Warum öffnen Sie nicht Ihre Kultstätten und Kapellen für Fürbitte, anstatt dass die Gläubigen einfach kommen, um eine Predigt zu hören und Lieder zu singen? Das heisst, ich denke, die Aufrufe sind komplementär. Es gibt Orte des Feierns und andere Orte des Trainings und des Sendens, und wieder andere sind Kommandoposten, die beobachten und führen ...»

Gebete, die auf Erweckung ausgerichtet sind
Jean-Luc Trachsel zeigt sich hier – mässig – kritisch gegenüber der allgemeinen Spiritualität. «Ich besuche das ganze Jahr über viele verschiedene Kirchen und die Gebetszeit während des Gottesdienstes erstaunt mich immer wieder. Wir bitten Gott für den Prediger, damit er die nötige Autorität erhält. Wir beten für leidende Gemeindeglieder und für das Soundsystem; alles sichtet sich nach unseren Bedürfnissen aus und es ist wahr, die Bibel ermutigt uns, diese Dinge Gott zu sagen – aber ich höre selten Gebete in der Kirche für die Menschen, die verlorengehen. Ich bete, dass die Kinder Gottes eine wirkliche Last der Fürbitte für verlorene Seelen erhalten.»
Eine weitere Mahnung zur Erneuerung, vielleicht zur Neuorientierung unserer Gebetsabsichten: «Wir sind zu sehr Aktivisten ... Wir investieren viel Energie und Ressourcen in Technik, Strategie und Personal, um kirchliche Projekte zu leiten ... Aber es gibt einfach nicht genug von Gott! Gott handelt auch gemäss den Räumen, die wir ihm zur Verfügung stellen ... oder nicht. Das Gebet hilft uns, in diese Richtung zu gehen, damit Gott sich manifestieren kann. "

«Europe shall be saved» (Europa soll gerettet werden) zielt darauf ab, die Kräfte aller Kirchen und Christen zu bündeln, um das Evangelium Jesu Christi «in Einheit» in Europa zu verkünden. Diese noch junge Bewegung legt einen starken Fokus auf die Fürbitte.