«Das Wort Gottes gehört auf unseren Mund!»

«Das Wort Gottes gehört auf unseren Mund!»

Interview mit Monika Flach (Dave Brander)
04 / 06 / 19

Monika Flach liebt es, das Wort Gottes zu proklamieren. Die Gründerin und Leiterin von Kingdom Impact erzählt im Interview, was ihr das Wort Gottes bedeutet und welche Kraft in der Proklamation liegt. Sie ist Autorin mehrerer Bücher («Proklamiere das Wort Gottes», «Gebetsbuch für die Ernte») und mit ihrem Dienst in vielen Ländern tätig.

Was bedeutet dir das Wort Gottes persönlich?
Mir bedeutet das Wort Gottes alles, weil es für mich nicht nur Worte sind, sondern eine Person. Jesus Christus selbst ist das Wort Gottes. Ich habe mich schon als Kind komplett zum Wort Gottes bekehrt. Mein Vater hat einen starken Glauben an das Wort Gottes in uns Kinder hineingesät. Der Glaube an das Wort macht mich zum Überwinder. Wir müssen Menschen jüngerschaftlich trainieren, wie sie mit dem Wort Gottes richtig umgehen können, sodass es seine Kraft entfaltet.

Viele von uns sind mit dem Gedanken vertraut, die Bibel zu lesen. Was ist der Unterschied zwischen Lesen und Proklamieren?
Ich wuchs auf mit dem Lied: «Lies die Bibel, bete jeden Tag, wenn du wachsen willst.» Das habe ich auch gemacht: Die Bibel gelesen und gebetet. Das war teilweise hart und langweilig. Später erkannte ich, dass es nicht nur ums Lesen geht. Gott hat uns nicht mit Worten alleingelassen. Das Wort Gottes ist die Tür zum Himmel, es gibt mir den Zugang, um die dahinterstehenden Realitäten erfassen zu können. Ich habe angefangen, das Wort Gottes tiefer in mich aufzunehmen, es zu essen und in die geistlichen Räume einzutreten, die es mir eröffnete. Die Taufe im Heiligen Geist brachte diese Veränderung hervor. Vorher war das Bibellesen trocken, nun wurde es plötzlich spannend.
Proklamieren ist mehr als Lesen. Man nimmt das Wort nicht nur auf, sondern man spricht es aus. Das Wort Gottes gehört auf unseren Mund. Keine andere Religion ist so wortorientiert wie das Christentum. Das Evangelium zu predigen bedeutet, es wie ein Herold zu proklamieren. Wenn der Herold den königlichen Erlass auf dem Marktplatz verkündigt, ist das keine Diskussionsveranstaltung, sondern eine Proklamation. Ebenso setzen wir das Wort Gottes in der sichtbaren und unsichtbaren Welt frei. Dabei setzen wir nicht unsere eigene Agenda durch, sondern wir sind Gesandte des Königs. Die Grundlage jeder Proklamation ist das Erlösungswerk Jesu. Wir sprechen uns nicht selbst frei, sondern wir verkünden einen Sieg, den wir nicht selbst errungen haben.
Gott sagt, dass sein Wort nicht leer zurückkommen wird (Jes 55,11). Durch die Proklamation des Wortes Gottes können wir über widrige Umstände Herrschaft ausüben. So wird das Wort Gottes in unserem persönlichen Leben freigesetzt – da hilft reines Bibellesen nichts.

Wie proklamiert man das Wort Gottes ganz praktisch?
Erstens: Finde heraus, was dein Gott sagt. Du musst zuerst die Grundlage deiner Proklamation kennen und nicht einfach drauflosreden. Zweitens: Finde heraus, was du selbst bisher geglaubt und gesagt hast. Drittens: Stimme mit deinem Gott überein. Wenn das Wort Gottes etwas anderes sagt, dann verändere dein Denken und dein Reden gemäss dessen, was Gott dir in seinem Wort anbietet. Viertens: Gib Gott deine Vorstellungskraft. Beginne, dir die göttlichen Wahrheiten vorzustellen. Fünftens: Sprich laut, mit Dankbarkeit, voller Entschiedenheit. Wir bekennen Gottes Wahrheiten nicht innerlich, sondern mit unserem Mund. Sechstens: Fülle den Text mit Realität und Emotionen. Rattere den Text nicht nur herunter. Man kann das Wort Gottes auch singend proklamieren.
Was mir ebenfalls sehr wichtig ist: Betone unterschiedliche Abschnitte eines Textes. Zum Beispiel kann man den Satz: «Der Herr ist mein Hirte» auf ganz verschiedene Arten betonen. So entfaltet das Wort Gottes seine Kraft.
Die Proklamation kann verschiedene Adressaten haben. Wenn wir zu Gott sprechen, geschieht das in einer anbetenden, betenden oder bittenden Haltung. Zu unseren eigenen Gedanken oder Gefühlen können wir streng oder liebevoll erziehend sprechen. Oder wir können über Gottes Wahrheiten jubeln. Ein weiterer wichtiger Bereich, den viele nicht praktizieren, ist die Proklamation gegenüber dem Feind. Dort stellen wir die Wahrheiten Gottes mit Autorität den Lügen des Teufels gegenüber. So machte es Jesus ebenfalls: Er antwortete dem Teufel mit dem Wort Gottes.

Kann man das Wort Gottes auch gemeinsam proklamieren? Und wenn ja, wie?
Man kann das Wort Gottes unglaublich gut gemeinsam proklamieren. Wir nehmen das Proklamationsbuch oft auf Autofahrten mit. Einer spricht den Text vor, die anderen sprechen nach. Oder wir proklamieren das Wort Gottes beim Frühgebet, wenn viele noch müde sind. So setzen wir es gemeinsam in Zeit und Raum frei und proklamieren: Dieses Wort gilt für diesen Tag!
Einige Menschen haben Mühe mit gemeinsamen Proklamationen, weil sie nicht gedankenlos etwas nachsprechen wollen oder Angst vor Suggestion haben. Da ist natürlich etwas Wahres dran. Aber wenn wir das Wort Gottes nachsprechen, gehen wir kein Risiko ein. Und in einer Gemeinschaft, in der wir uns als Brüder und Schwestern kennen, können wir lernen, einander darin zu vertrauen. Das gemeinsame Proklamieren kann sogar richtig Spass machen!

Was bedeutet das alles für unser Beten für die Schweiz?
Das Wort Gottes gilt nicht nur für uns persönlich, sondern für ganze Nationen. Aufgrund meiner Einsätze in vielen Ländern und der Gemeindegründungsarbeit in Zürich habe ich das «Gebetsbuch für die Ernte» zusammengestellt. Dort sind Worte Gottes zu finden, die über einem Land proklamiert werden können. In Jer 22,29–30 heisst es: «Land, Land, höre des Herrn Wort!» Die Propheten des Alten Testaments prophezeiten über Nationen, die teilweise weit weg lagen, und die sie nie persönlich betreten hatten. Trotzdem sind diese Worte bis heute wirksam.
Die grössten Fürbitter, die ich kennengelernt habe, beten nicht ihre eigenen Worte. Sie bitten Gott um Bibelverse und prophetische Worte und beten diese dann aus. Wir müssen lernen, sowohl das geschriebene als auch das prophetische Wort Gottes einzusetzen. Prophetische Worte über einem Land sammeln wir und setzen sie frei. Fürbitter sollen nicht nur immer neue Worte von Gott erwarten, sondern auch das bereits Gesagte im Gebet durchsetzen. Wir müssen ernst nehmen, was Gott über einer Stadt oder einem Land bereits gesprochen hat.

 

Buchempfehlungen

«Proklamiere das Wort Gottes. Handbuch für Überwinder»

«Gebetsbuch für die Ernte. Proklamationen und Gebete für Städte, Länder und Nationen»