Walk'nPray: 40 Tage lang die Strassen von Genf durchpflügen

Walk'nPray: 40 Tage lang die Strassen von Genf durchpflügen

Joël Reymond
24 / 05 / 19

In der Republik und im Kanton Genf läuft eine ungewöhnliche Gebetsinitiative. Von Ostern bis Auffahrt gehen Fürbitter durch die Stadt und dokumentieren ihre Reise. Eine fröhliche Mischung aus Tradition (die Gebetsmärsche sind eine alte Disziplin) und Neuartigem: der Einsatz von GPS-Technologie in Verbindung mit einer Online-Kartografie.

Seit einigen Jahren finden in Genf grossangelegte Gebetsmärsche statt, "Feierliche Versammlungen" unter der Schirmherrschaft der Organisation Hope Geneva, mit dem Wunsch, die Fastenzeit als gemeinsame Aktivität der Evangelischen Allianz zwischen der Allianzgebetswoche und dem «Fête des Nations» wiederzubeleben.

Das diesjährige Treffen ist ein 40-tägiger Marsch namens Walk'nPray, bei dem die Genfer aufgefordert wurden, sich Zeit zu nehmen, um auf den Strassen der Stadt zu beten und sie so zu «durchpflügen». Durch die Märsche wurden Furchen der Fürbitte und der Barmherzigkeit für die Bewohner der Stadt gezogen. Die horizontale und die vertikale Dimension wurden kombiniert, die Zuwendung zu Gott und zu den Menschen vereint.

 

Wie das Projekt entstand
Bedros Nassanian, Koordinator des Walk'nPray-Komitees, dachte im vergangenen Jahr zunächst an eine sechsmonatige Durchführung. Die örtlichen Pastoren überzeugten ihn jedoch davon, dass es viel einfacher sei, ihre Mitglieder für ein kurzes Projekt zu mobilisieren, zehn Tage, einen Monat oder mehr – aber nicht zu viel. Die vierzig Tage zwischen Ostern und Himmelfahrt wurden gewählt.

Nassanian, der auch der Hauptinitiator der Genfer "Feierlichen Versammlungen" von 2012 bis 2017 ist, dachte darüber nach, dass es in der heutigen Zeit möglich sei, die Fussmärsche mit GPS aufzuzeichnen und öffentlich zu machen. So tat er es auch selbst als Läufer, einschliesslich des Halbmarathons am 12. Mai in Genf. Konkret wurde für die Aufzeichnung die Software Strava (Aufzeichnung von Sportaktivitäten via GPS) in Verbindung mit dem elektronischen Kartendienst GoogleMaps verwendet.

Einige nutzen diese neuen Technologien, um dann grossformatige Figuren auf die Karten zu zeichnen (#gpsart), das Komitee von Walk'nPray stellte dieses Werkzeug in den Dienst des Gebets. So entstand nach und nach eine Gebetskarte von Genf. Per E-Mail konnten die Walk'nPray-Beter ausserdem ihre Eindrücke und Zeugnisse weitergeben.

 

Keine vorgegebenen Gebetsthemen
Walk'nPray begann an Ostern und endet mit einer Konferenz «Presence» in der Arena an Auffahrt. Bedros Nassanian beschreibt diesen zeitlichen und geistlichen Rahmen als «zwei Ereignisse, die für uns, die Jünger Jesu, voller Bedeutung sind: die Auferstehung, unsere Hoffnung und die Himmelfahrt, unsere missionarische Sendung.»

Den Gebets-Wanderern wurden keinerlei Gebetsanliegen vorgeschlagen. Nur drei Leitlinien wurden ihnen mitgegeben: Sich bewusst zu sein, dass es sich um ein gemeinsames Projekt handelte und deshalb nach Möglichkeit gemeinsam hinauszugehen. Mit der Unterstützung des Heiligen Geistes, des Wortes Gottes oder mit Gebetsbüchern zu beten. Und mit offenen Augen und Herzen zu beten. Mit diesen Zielen vor Augen und um Christen zu begleiten, die keine Gebetsmarsch-Erfahrungen hatten, wurden jeden Samstag Evangelisationseinsätze von örtlichen Gemeinden organisiert, um als Licht in die Nachbarschaft hinauszustrahlen.

 

Bis jetzt fast 600 Märsche
Bisher sind es fast 600 Gebetsmärsche, während das Projekt am 33. Tag stattfindet. Diese Zahl ist wichtig, da nach biblischer Vorschrift jeder Tag der sieben Wochen gezählt wurde, die zwischen Pessach und Pfingsten lagen. Eine Vorschrift, die dem Judentum heute noch wohlbekannt ist.

Am 34. Tag des Omer zeigt die elektronische Karte, die täglich mit den neuen Schritten aktualisiert wird, einen gut gefurchten Kanton Genf – insbesondere das Stadzentrum. Im Moment ist es unmöglich, die Tiefe der Furchen hervorzuheben, da auch mehrmalige Gebetsmärsche durch dieselbe Strasse nur einmal vermerkt werden.

Die weite Genfer Landschaft wartet immer noch hier und da auf ihre Wanderer und es gibt sogar einige Ausreisser nach Frankreich.

 

Mit historischen Kirchen
Walk'nPray wurde von den historischen Kirchen der Stadt mitgetragen. Aufgrund der in den letzten zehn Jahren entstandenen Beziehungen gingen der Präsident der Genfer Evangelischen Allianz, der Präsident der Evangelischen Kirche von Genf und der römisch-katholische Bischofsvikar ungeachtet aller Differenzen gemeinsam auf einen Gebetsmarsch. Und unter den erhaltenen Feedbacks der betenden Wanderer war dasjenige von Menschen aus Waadt, die für ihr Dorf gebetet und eine neue Liebe zu ihm empfangen hatten.

 

 

Und weiter?
Das Projekt wird im kommenden Jahr wiederum zwischen Ostern und Auffahrt stattfinden. Bedros Nassanian erörtert bereits die Möglichkeit, bis dahin eine eigene App zu haben, die dem Gebet gewidmet ist und die eine automatische Integration der Gebetsmärsche ermöglicht (momentan geschieht dies manuell). Und wir fragen uns: Wenn ein solches Tool und ein solches Projekt in Genf entwickelt werden, wäre es auch in anderen Städten der Schweiz sinnvoll? «Oder in allen…», erwidert Bedros Nassanian mit einem Lächeln.

Link: www.walknpray.com