Der fünffältige Dienst

Der fünffältige Dienst

Dave Brander
09 / 04 / 19

 «Und er hat einige als Apostel eingesetzt, einige als Propheten, einige als Evangelisten, einige als Hirten und Lehrer.» (Eph 4,11)

 

Von der Belastung zur Entlastung
Fahnenträger, Lobpreismusiker, Kirchenkaffee-Chef, Hauskreisleiterin, Prediger, Kids-Treff-Koordinatorin, Gemeinde-Abwart, MIP-Beterin… fünf weitere Dienste haben uns gerade noch gefehlt! Als Christen sind wir doch schon völlig ausgelastet, haben bereits zu viele Dienste am Hals. Eine neue Aufgabe ist nun wirklich nicht nötig.

Viele Fahnenträger, die mit der Idee des fünffältigen Dienstes in Kontakt kommen, erleben genau das Gegenteil davon. Die Verteilung der Aufgaben auf spezifische Gaben kann entlasten. Sie spüren: ich muss vieles nicht tun. «Mit dem fünffältigen Dienst-Denken kommt Entspannung in eine Gruppe», sagt Hildegard Richter, Fahnenträgerin von Neuhausen am Rheinfall, «denn in der Ergänzung liegt ein riesiges Potenzial!» Dies bestätigt auch Serge-André Maire, Kantonsfahnenträger von Neuenburg: «Die Botschaft des fünffältigen Dienstes ist für mich nicht neu. Sie hat mich daran erinnert, dass wir lernen müssen, als Team zu funktionieren.» Boukje Wiehl, Gebetspartner von Schaffhausen, hat erlebt, wie er in seinem Gebetsleben freigesetzt wurde: «Meine Gebete sind anders als die der anderen vier Dienste. Wir gehören alle zusammen und arbeiten gemeinsam daran, Gottes Reich aufzurichten.» Und die Fahnenträgerin Gisela Hatt schwärmt: «Mir ist wieder bewusst geworden, dass Gott uns so unterschiedliche Gaben geschenkt hat, dass wir als Einheit eine unschlagbare Stärke besitzen.» Von der Belastung zur Entlastung, Team-Denken statt Einzelkämpfer.

Paulus und sein Team
Heute sehen wir in Paulus den grossen Apostel und Missionar unter den Völkern Asiens und Europas, einen herausragenden Diener Gottes. Natürlich war er das, doch vergessen wir nicht, dass Paulus ein ausgesprochener Teamplayer war! Fast immer war er im Team unterwegs. Alle drei Missionsreisen unternahm er gemeinsam mit anderen Gläubigen. In Barnabas fand er einen geistlichen Vater (Apg 11,25f.), der ihn auf der ersten Missionsreise begleitete. Die zweite Reise trat er mit Silas an, begleitet von einer Gruppe von weiteren Gläubigen (Apg 17,15). Ein ganzes Team ergänzte ihn auf der dritten Missionsreise (Apg 20,4), darunter auch sein geistlicher Sohn Timotheus.

Im Team von Paulus waren Apostel (Barnabas, Apg 14,14), Propheten (Silas, Apg 15,32) und Evangelisten (Timotheus, 2 Tim 4,5). Ergänzt wurde er vom Lehrer Apollos (Apg 18,24–28). In den neu gegründeten Gemeinden setzte er Hirten ein (Apg 20,28).

Wenn Paulus den Ephesern über den fünffältigen Dienst schrieb, war das keine trockene Theorie. Es war eine Praxis, die er selbst lebte. Das Reich Gottes ist Teamarbeit.

Den fünffältigen Dienst entdecken
Der fünffältige Dienst geht zurück zu den Anfängen der Urgemeinde. Er ist ein gottgegebenes, hilfreiches Tool, das die Teamarbeit fördert und Gottes Reich voranbringt. Und er wartet darauf, entdeckt zu werden. Mit der Übersicht über die fünf Dienste möchten wir Ihnen die Möglichkeit geben, Ihre eigene Gabe zu entdecken und zu fördern.

 

Apostel

Der Apostel ist ein Pionier und eine Schlüsselperson im Reich Gottes. Oft ist er der Visionsträger eines Dienstes oder einer Gemeinde. In der Vernetzung der Dienste miteinander spielt er eine entscheidende Rolle. Der Apostel ist nicht ein unfehlbarer Leiter, sondern auf die Ergänzung und Korrektur durch die anderen Dienste angewiesen. Der Blick des Apostels geht in die Weite. Er hat ganze Ortschaften und Regionen, manchmal mehrere Länder im Blick.

Beispiele für Apostel: Zwölf Jünger, Paulus, Barnabas (Apg 14,14)

Prophet

Der Prophet hält sein Ohr nahe an Gottes Herz. Dort erhält er Wegweisungen und Einsichten, die er seinen Mitchristen weitergibt. Er macht auf gegenwärtige und zukünftige Entwicklungen aufmerksam. Der Prophet hilft mit, die Gemeinde in ihre göttliche Bestimmung zu führen und sie darin zu erhalten. Seine Eindrücke sollen von der Gemeinde geprüft werden (1 Thess 5,20). Der Blick des Propheten geht in die Tiefe. Sein Fokus liegt darauf, Gottes Stimme zu hören.

Beispiele für neutestamentliche Propheten: Silas (Apg 15,32), Agabus (Apg 11,27–30)

Evangelist

Der Evangelist brennt für Menschen, die Gott noch nicht kennen. Er ist in besonderer Weise berufen und befähigt, mit Nichtchristen Kontakte zu knüpfen und ihnen das Evangelium in glaubwürdiger und verständlicher Weise zu erklären. Er geht an Orte, an die niemand so schnell hingeht. Sein Herz brennt für nichtchristliche Nachbarn, Migranten, fremde Länder und unerreichte Völker. Der Blick des Evangelisten geht nach aussen. Er möchte Menschen für das Reich Gottes gewinnen.

Beispiele für Evangelisten: Philippus (Apg 21,8), Timotheus (2 Tim 4,5)

Hirte

Der Hirte sorgt für seine Herde. Er investiert sich in Beziehungen und kümmert sich liebevoll um seine Gemeinde. Er ist nicht in erster Linie an Projekten und Strategien interessiert, sondern am einzelnen Menschen. Der Hirte ist ortsgebunden, er gründet eine geistliche Familie, für die er sorgt. Der Blick des Hirten geht nach innen. Er konzentriert sich darauf, Menschen aufzubauen und für das Reich Gottes freizusetzen.

Beispiele für Hirten: Älteste der Gemeinde (Apg 20,28; 1 Petr 5,1–4)

Lehrer

Der Lehrer liebt das Wort Gottes. Er dringt tief in seine Wahrheiten ein und teilt die Schätze, die er gefunden hat, mit seinen Mitchristen. Er setzt sich dafür ein, dass die Menschen um ihn herum gute Nahrung erhalten, damit sie mündig und reif werden. Der Blick des Lehrers geht zum Wort Gottes. Was der Apostel gepflanzt hat, wird vom Lehrer begossen, damit es wächst, reift und nicht verdorrt (vgl. 1 Kor 3,6).

Beispiele für Lehrer: Apollos (Apg 18,24), Barnabas, Niger und andere (Apg 13,1)

 

In diversen Kantonen finden Schulungen von «Gebet für die Schweiz» zum fünffältigen Dienst statt. Wenn Sie an weiteren Ressourcen zu diesem Thema interessiert sind, nehmen Sie bitte mit unserem Sekretariat Kontakt auf (info@gebet.ch oder auf dem Postweg: Gebet für die Schweiz, 7304 Maienfeld).