«Neues hat an diesem Tag begonnen!»

«Neues hat an diesem Tag begonnen!»

Kantonsfahnenträger für Appenzell Innerrhoden eingesetzt.
Margreth Güttinger
04 / 04 / 19

Es war ein herrlicher Frühlingstag, als wir uns im kleinen Rathaussaal im Dorfzentrum trafen für die Einsegnungsfeier von Marco von Rotz. Dass wir uns in diesem geschichtsträchtigen Saal versammeln durften, war für uns eine besondere Ehre, und wir nahmen den Raum bis zum letzten Platz ein! Begrüsst wurden wir durch den Regionalleiter von „Gebet für die Schweiz“, Stephan Trottmann. Er betonte, dass der Dienst von einem Fahnenträger ein Dienst des Gebets ist, besonders für die Politik, nach 1. Tim.2,2. Hanspeter Lang, Leiter von Gebet für die CH, betete zu Beginn für unser Zusammensein.

Nach einer wohltuenden Lobpreiszeit leitete David Welz, Kantonsfahnenträger von AR, mit einer Bibelstelle (Markus 1,14-15) über zur Einsegnung. David gab seiner grossen Freude Ausdruck: Nun, nach über 10 Jahren, wo er sich als AR-Fahnenträger zusammen mit seinem Team auch für Innerrhoden einsetzte, ist nun für AI ein eigener Fahnenträger da, eine grosse Gebetserhörung! David sieht in Marco eine wertvolle Bereicherung fürs Team beider Appenzell. Er freut sich sichtlich auf die Zusammenarbeit. So war denn die Fahnenübergabe von David zu Marco ein feier-licher Moment.

Anschliessend folgten drei Segensgebete für Marco und seine neue Aufgabe. Den Anfang machte das Leitungsteam von GfdCH, gefolgt von den Kantonsfahnenträgern, und zum Schluss umringten Marco eine stattliche Schar junger und älterer Inner-rhoder Christen, um ihn zu segnen.

 

Eine bewegte Geschichte
Nun folgten die Grussworte vom Appenzeller Landammann Roland Inauen. Auch er wünschte Marco Gottes Segen als Fähnrich und betonte, dass früher der Fähnrich als Führer der wichtigste Mann war. Als Historiker gab uns Herr Landammann Inauen eine aufschlussreiche und interessante „Geschichtsstunde“ über die Zeit vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart:

  • 1513 Freudenereignis: Aufnahme vom Appenzellerland in die Eidgenossenschaft. Schon 11 Jahre später fasste hier die Reformation Fuss. Dazu später mehr.
  • 1560 Verheerender Dorfbrand im Ort Appenzell. Durch grosse Solidarität der Eidgenossenschaft war der sofortige Wiederaufbau möglich.
  • 1562 wurde das Rathaus fertig gestellt mit einem grossen und einem kleinen Ratssaal. In diesen beiden Räumen sind die Wände geschmückt mit alten Fresken. Im kleinen Saal, in dem wir sein durften, ist u.a. das Gleichnis der 10 Jungfrauen dargestellt, und im grossen Saal ist die Kreuzigungsszene im Zentrum, sehr eindrücklich.

Nun zur folgenreichen Zeit der Reformation:

1524 brachten Gallus und andere den reformierten Glauben ins Appenzellerland. Noch im gleichen Jahr entschied die Landsgemeinde, dass jede Kirchgemeinde abstimmen durfte, ob sie beim alten Glauben bleiben oder neugläubig werden wollten. Die Mehrheit entschied sich für den neuen Glauben. Appenzell als damaliger Hauptort blieb beim alten Glauben. Bis die Gegenreformation im Jahr 1586 begann, lebten die zwei Konfessionen friedlich nebeneinander. Doch die nach Appenzell gesandten Kapuziner hatten die Aufgabe, die reformierten Orte zurückzuerobern. In Appenzell wurde sogleich das Kloster gebaut und weitere Klöster entstanden. Zwei davon stehen heute noch auf Boden von AR.

Die Reformierten, die zu dieser Zeit in Appenzell lebten, wurden vor die Wahl gestellt, entweder zu konventieren oder Appenzell sofort zu verlassen. Dadurch entstand eine unglaubliche Spannungssituation, die fast zum Bürgerkrieg führte. Vertreter aus der Eidgenossenschaft (je drei aus katholischen und reformierten Orten) kamen nach Appenzell und vollzogen die Scheidung der 2 Halbkantone. Der Landteilungsvertrag entstand dadurch ohne Blutvergiessen. Im letzten Satz steht: „Die Trennung soll nicht ewig bestehen.“

Nach der Landteilung gab es zwischen den zwei Halbkantonen eine absolute Abschottung über viele Jahre.

  • Im 19. Jahrhundert wurde die Bildung vom Kloster und den Kirchen stark gefördert.
  • 1848 kam die neue Bundesverfassung. Nun galt das Recht, sich überall im Land frei niederlassen zu können. Doch in Innerrhoden dauerte es 24 Jahre, bis dieses Recht umgesetzt wurde.
  • Seit 1875 lebte eine kleine Gemeinschaft von Reformierten in Appenzell. 1908 entstand die jetzige evangelische Pfarrkirche.

Herr Landammann Roland Inauen dankte uns abschliessend für unser Einstehen im Gebet. Die konfessionelle Gleichgültigkeit, die sich überall ausbreite, stimme ihn nachdenklich. Er wünschte uns zum Schluss alles Gute und Gottes Segen! Hanspeter Lang bedankte sich dafür und sprach Herrn Landammann Inauen im Namen von Gebet für die Schweiz Gottes Segen zu. 

Den so eindrücklichen und reichen Vormittag beendeten wir mit einer wertvollen Gebetszeit für Innerrhoden. Neues hat mit diesem Tag begonnen! Darüber gehört unserem grossen Gott alle Ehre!