NEUANFANG IN SAINT-LOUP

NEUANFANG IN SAINT-LOUP

Anne-Lise Sprunger
19 / 03 / 19

Unser Gott ist Herr über die Zeit und über die Jahreszeiten. Bei der Leitung einer Arbeit oder einer Mission, die Gott uns anvertraut, ist es wichtig zu verstehen, in welcher Jahreszeit sie sich befindet. So werden wir herausfinden, was das Projekt Gottes ist. Wir werden die richtigen Werkzeuge verwenden, um das Land zu bearbeiten. Wenn wir uns im Winter befinden, erwarten wir nicht, dass wir Blumen pflücken werden.

Das haben wir in den vergangenen sechs Jahren in Saint-Loup gelebt. Das Leitmotiv dieser langen Wintersaison war: Übergang vom Alten zum Neuen. Nun sind wir in einen neuen Frühling eingetreten und haben eine klare Vision empfangen, was Gott an diesem Ort für die kommenden Generationen erreichen will. Der Wortlaut der Vision, die im vergangenen November von allen Instanzen von Saint-Loup angenommen wurde, lautet wie folgt: Saint-Loup ist ein Ort, der für das Gemeinschaftsleben ausgesondert ist, um Christus zu begegnen, aufgenommen und wiederhergestellt zu werden und schliesslich hinauszugehen und durch den Heiligen Geist Zeugnis seiner Liebe abzulegen. Indem wir darauf achteten, die alte Jahreszeit zu beenden und uns in einen Neuanfang führen zu lassen, wurden wir durch zwei wichtige Elemente bereichert: Die Vision musste in unseren Herzen reifen und wir wagten es, wichtige Entscheidungen zu treffen, die zu einer Erneuerung unserer Mission führten. Diese Zeit war entscheidend, um Saint-Loup in einen echten Wendepunkt zu führen. Wir lebt man einen Neuanfang? Aufgrund unserer Erfahrung sehe ich zwei wesentliche Elemente, die den Neuanfang unter guten Bedingungen geschehen lassen:

Nur Eines zu wünschen: den Plan Gottes erfüllt zu sehen und ihn zu unserem Gebet zu machen
David schrieb diese Worte: «Nur eines erbitte ich vom Herrn, danach verlange ich» (Ps 27,4) Diese Sehnsucht Davids kann als poetischer Höhenflug gedeutet werden. Aber in der Realität gibt es an dieser Herzenseinstellung einiges zu beissen. Ein von Gott gegebener und vom Geist geführter Wunsch kann sehr einschneidend sein, sowohl für denjenigen, der die Vision trägt, als auch für die, die zum Mittragen aufgerufen sind. Der Wunsch, Gottes Plan verwirklicht zu sehen, wird die Entscheidungsfindungen und letztendlich die Verwirklichung beeinflussen. Wenn wir Visionsträger sind und in der Verantwortung stehen, das Stillstehende wiederzubeleben, sind die Herausforderungen und Probleme zahlreich. Wie wägen wir die Interessen ab? Wo sind Ängste und Spannungen? Wie steht es mit unserer Hoffnung? Was tun bei Störungen? Werden wir die Fehler der Vergangenheit wiederholen? Wie können wir uns von unserer Schwäche erholen? Das brennende Verlangen, den Plan Gottes erfüllt zu sehen, ist einschneidend wie ein Winterwind. Es hilft uns, dass wir beschnitten, trainiert und transformiert werden, um noch mehr Frucht zu bringen. Gott ist es möglich, die Vergangenheit zu bereinigen, sodass wir mit Klarheit in die neue Jahreszeit eintreten, die er für uns bereithält.

Mit dem Stamm verbunden bleiben
Sich auf die Anfänge zu besinnen gab dem Volk Israel auf seinem Weg mit Gott viel Sinn und Kraft. Wir haben das Privileg, den Fussstapfen zu folgen, die die Zukunft vorzeichnen, indem wir denen folgen, die uns vorausgegangen sind: Männer und Frauen des Glaubens. Es liegt ein grosser Reichtum darin, eine Vision mit den Segnungen unserer Vorväter zu verbinden. Das ist gerade so wie ein Baumstamm, der neue Knospen hervorbringt. Ein Satz von Louis Germond, dem Gründer unserer Gemeinschaft, ist für unsere Zeit zum Motto geworden. In 175 Jahren Geschichte hat er sich bewährt: Wir sind von Anfang an im Glauben gegangen. Diese Methode hat sich als so gut erwiesen, dass wir nicht versucht haben, sie zu ändern.

Anne-Lise Sprunger
Anne-Lise ist leidenschaftlich für Jesus und widmet ihm seit vielen Jahren ihr Leben. Was motiviert sie am meisten? Zu sehen, wie Leben und Situationen verändert und zu «lebendigen Evangelien» zur Ehre Gottes werden. Als Krankenschwester begleitete sie viele leidende Menschen. Derzeit ist sie für den Gebetsberg in Saint-Loup zuständig (www.saint-loup.ch). Ihr Hauptmandat besteht darin, den Dienst der Diakonissengemeinschaft im Sinn der erhaltenen Vision zu leiten und sich für seine Entwicklung einzusetzen.

Anne-Lise liebt Herausforderungen, bei denen sie vom Herrn und anderen lernen kann, um auf einem dynamischen Weg in der Nachfolge Christi zu bleiben.