Dem Frieden nachjagen

Dem Frieden nachjagen

Dave Brander
16 / 01 / 19

«Suche Frieden und jage ihm nach!» (Ps 34,15)

 

Dem Frieden nachjagen – ein paradoxes Bild. Stellen Sie sich eine Treibjagd vor: Jäger, die die Wälder durchstreifen und über Feldwege laufen, Tiere und Natur aufscheuchen, ihrem Ziel nachjagen. Kann der Frieden verfolgt werden? Verschwindet er dann nicht erst recht? Ist er dafür nicht viel zu scheu und zu fragil? Sollten wir uns nicht lieber ruhig hinsetzen und warten, bis der Frieden zu uns kommt, bis er sich sanft auf uns legt?

Von allein legt sich niemals wahrer Frieden uns. Er ist weg. Bereits in der ersten Generation der Menschheit ging er verloren. Der Zugang zum Garten ist verschlossen, draussen herrscht Krieg. Die Äcker sind hart und voller Dornen. Waffen sind schnell geschmiedet. Der Bruder wird erschlagen und heimlich auf dem Acker verscharrt.

Ist das eine alte Geschichte? Eine Legende? Nein, sie ist wahr – bis heute. Der Frieden ist weg und kommt nicht wieder. Nicht von allein.

Gott setzte sich nicht hin und wartete, bis der Frieden zurückkommen würde. Er jagte ihm nach. Gab alles für den Frieden. Der verheissene Friedefürst lebte, starb und auferstand auf unserer blutgetränkten Erde. Damit Frieden wieder möglich wird.

«Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus» (Röm 5,1)

 

Das Friedenstor ist offen, der Garten wieder zugänglich. Frieden mit Gott. Jesus hat das Tor geöffnet. Trotzdem: Dem Frieden nachjagen. Durch das Tor gehen. Altes hinter sich lassen. Den Frieden Gottes suchen. Und finden.

Es gibt nicht zwei Frieden. Zum Frieden mit Gott kommt immer der Frieden mit Menschen dazu.

Dem Frieden nachjagen. Dabei ist keine Hektik im Spiel. Es geschieht aus einer inneren Ruhe und Ordnung. Aus seinem Frieden leben wir im Frieden mit anderen Menschen. Und doch: nachjagen. Versöhnung suchen, vergeben, verloren gegangene Kontakte wieder aufnehmen. Gerissene Fäden wieder knüpfen. Dann helfen wir mit, sein Friedensreich auszubreiten: «…auf dass seine Herrschaft gross werde und des Friedens kein Ende…» (Jes 9,6).

Ich wünsche Ihnen, dass Sie in diesem Jahr zu einem tiefen inneren Frieden gelangen – mit Gott und den Menschen. Auch wenn es manchmal eine wirkliche Jagd wird – es lohnt sich!