«Ich möchte ein lebendiger Lobpreis sein für Gott»

«Ich möchte ein lebendiger Lobpreis sein für Gott»

03 / 07 / 18

Marco Jörg ist ein leidenschaftlicher Anbeter. Mit dem neu gegründeten David-Dienst ermutigt er Christen in der ganzen Schweiz, in ihrer Identität in Christus zu leben und Gott in der Anbetung neu zu begegnen. Im Interview gibt er Einblick in sein Leben und in die Entstehung des David-Dienstes.

 

Wie ist der David-Dienst entstanden?
Das ist eine lange Geschichte, vor allem ein langer Weg, mit vielen Kurven bis wir so weit waren, diesen Dienst umzusetzen. Ich bin seit über 15 Jahren in der ganzen Schweiz als Band-Coach, Mentor und Berater, Ermutiger, vor allem aber als Lobpreisleiter und Musiker quer durch alle Denominationen unterwegs. Beruflich war ich zudem als Jugendarbeiter in verschiedenen Kirchgemeinden angestellt. Vor gut zwei Jahren ging plötzlich nichts mehr, ich fand mich mitten in einer Erschöpfungsdepression wieder und realisierte, dass meine Arbeit nicht von Gott gewollt war. Ich spürte, dass der von mir selber gewählte Weg in eine falsche Richtung führte.  Der Job verhiess mir die Sicherheit eines festen Einkommens und dieser Verlockung habe ich nachgegeben und so mein Vertrauen auf die göttliche Versorgung, die ich immer wieder eindrücklich erfahren durfte,  gegen die vermeintliche Sicherheit eines Arbeitsvertrages ausgetauscht. In der Klinik SGM in Langenthal hatte ich dann einige Wochen Zeit, über mein bisheriges Leben und meinen Ausflug in eine vermeintlich sichere Anstellung nachzudenken und erkannte, dass mich nur ein radikaler Richtungswechsel wieder aus dieser schwierigen Lebenskrise herausführen kann.

Ich erinnerte mich, dass ich schon früh den Ruf bekommen hatte, den Lobpreis zu fördern und darin gesamtschweizerisch unterwegs zu sein. Ich wusste, dass auf meinem Dienst als Lobpreisleiter eine spezielle Salbung liegt. Durfte ich doch immer wieder erleben, dass unerklärliche Dinge während den Lobpreis und Anbetungszeiten geschahen, dass der Himmel sich spürbar öffnete, dass Menschen berührt wurden und Gott durch seinen Geist immer wieder wunderbar wirkte. All dies kam mir während meines Klinikaufenthalts vor gut zwei Jahren wieder in den Sinn. Ich realisierte, dass ich nicht mehr auf dem Weg war, den Gott für mich vorbereitet hatte.

In einer Zeit voller Veränderungen und Unsicherheiten suchte ich zusammen mit meiner Frau Bea betend und mit Freunden diskutierend Gottes Wegweiser, um wieder auf unsere vorgespurte Bahn zu finden. Tief in meinem Herzen wusste ich, wozu Gott mich berufen hatte. Das Vertrauen in mich selbst und in meine Wahrnehmung hatte ich jedoch gänzlich verloren. So baten wir Gott um Bestätigungen für das, was ich meinte, in meinem Herzen zu spüren. Gott liess sich auch nicht lange bitten und erinnerte mich an einige wegweisende Begegnungen und Erlebnisse mit denen er meinen Weg schon unzählige Male bestätigt hatte.

Eine der wohl richtungsweisendsten Begegnungen hatte ich vor ungefähr acht Jahren im Gebetshaus Amden. Während eines Wochenendseminars durfte ich die Lobpreiszeiten leiten. Der ehemalige Gebetshausleiter Roland Laubscher, ermutigte mich am Schluss dieses Seminars mit den Worten: «auf dir liegt eine besondere Salbung im Lobpreis, Die Salbung König Davids». Er meinte weiter, dass ich den Lobpreis mit meinem Klavierspiel und meiner Stimme leite wie David mit seiner Harfe und dass mein Gebet eine Steinschleuder sei, in der Kraft liege. Mir kam in dieser Zeit auch das Symbol der Krone sehr nahe.

Dann erhielt ich immer wieder ermutigende Rückmeldungen von Menschen, die in den Anbetungszeiten, welche ich quer durchs Land leiten durfte, Gottes Wirken in besonderer Weise erlebt haben. Solche Zeugnisse sind für mich auch heute noch sehr wichtig, denn es ist ja nicht so, dass ich mich persönlich in jeder Lobpreiszeit wahnsinnig gesegnet fühle! Emotional ist das nicht immer ein Hochgefühl und das ist auch gut so, darum nehme ich solche Rückmeldungen gerne entgegen und freue mich, wenn Menschen Zeugnis über ihre Erfahrungen mit Gott geben können.

 

Wie seid ihr auf den Namen David-Dienst gekommen?
Im Frühling 2017 bereitete ich mich auf einen Workshop mit Jugendlichen aus einer Kirchgemeinde  im Raum Zürich vor. Die Person, die mich anfragte, erkundigte sich wie sie mich ankündigen dürfe. – ob wir eine Organisation seien. Ich sagte zunächst, ich sei einfach Marco Jörg. Sie reagierte etwas verdutzt am Telefon. Sie wollte wissen, wie der Dienst heisse, in dem ich arbeite und gab mir so indirekt den Auftrag, dafür einen Namen zu finden. Mir wurde bewusst, dass dies ein Auftrag ist, den Gott mir gibt, um Nägel mit Köpfen zu machen und mutig einen grossen Schritt nach vorne zu wagen. In dieser Zeit befasste ich mich gerade intensiv mit dem Leben und Wirken von König David. Durch den damit verbundenen Dialog mit Gott und die Gespräche mit meiner Frau und Freunden erkannte ich, dass mich Gott in den vollzeitlichen Dienst ruft. In der Geschichte von König David entdeckte ich wichtige Parallelen zu meinem Auftrag. Die verschiedenen prophetischen Worte von Roland Laubscher und anderen, die Rückmeldungen aus den Lobpreiszeiten, das tiefe Verlangen, durch Predigtdienste, durch Lobpreis und Gebet Menschen in ihrem alltäglichen Leben zu ermutigen, bestätigten meine Erkenntnis und so stand auch der Name für diesen übergemeindlichen Auftrag fest. Im Januar 2018 haben wir dann den Verein David-Dienst Schweiz gegründet.

 

Was sind die Schwerpunkte des David-Dienstes?
Mit unserem Dienst wollen wir Menschen in ihrem Glaubensleben und in ihren alltäglichen Herausforderungen ermutigen und Gemeinden/Kirchen und christliche Organisationen in ihren häutigen Aufgaben unterstützen. Mit den drei Symbolen: der Harfe, der Steinschleuder und der Krone, illustrieren wir unsere Arbeitsschwerpunkte in den Bereichen Lobpreis, Gebet und Identität.

Der erste Schwerpunkt wird mit der Harfe symbolisiert. Das ist Lobpreis und Anbetung. Es geht darum, Lobpreiser, Anbeter, Musiker, aber auch andere Interessierte – denn Anbetung und Lobpreis ist nicht nur auf Musik und den Gottesdienst beschränkt – zu fördern. Fördern  möchten wir auch das Bewusstsein, wie wichtig und wie wohltuend es ist, dass wir in der Anbetung nicht nur geben, sondern auch empfangen dürfen. Lobpreis ist nicht nur eine Pflichtübung, die wir vollbringen, weil sie zu einem Programm oder Gottesdienst gehört, sondern es ist ein Austausch: Wir loben und preisen Gott und können gleichzeitig von ihm und seiner Herrlichkeit so viel zurückbekommen.
Ich vernetze mich auf vielfältige Art und Weise mit Lobpreisern, Musikern und anderen Lobpreis Künstlern, Viele denken, sie seien nicht gut oder professionell genug. Meine Aufgabe ist es, ihnen Mut zu machen, sie mitzunehmen, ihnen auch eine Plattform zu bieten. Ich nehme immer wieder auch solche Menschen mit und stelle mit ihnen meine Band zusammen für die Anfragen, die an mich herangetragen werden. Wenn man das Alte Testament ansieht, realisiert man: Überall, wohin das Volk Gottes hinzog, ging die Bundeslade mit Lobpreis voraus. Lobpreis ist ein Door-Opener, er öffnet Räume. Ich merke, dass wir in der Schweiz in einer Zeit sind, wo das ganz wichtig ist. Es ist auch ein Auftrag und ein Herzensanliegen von mir, in der ganzen Schweiz den Lobpreis auf die Strassen und Plätze zu bringen denn Gott gebührt allein alle Ehre, Lob und Anbetung; zu jeder Zeit an jedem Ort und unter allen Umständen.

Das zweite Symbol ist die Steinschleuder. David kämpfte damit gegen Goliath und schlug Löwen und Bären in die Flucht Die Steinschleuder ist für mich ein Symbol für Gebet. Ich bin nicht der 24-h-Beter, der nonstop durchbeten kann. Dazu fühle ich mich auch nicht berufen. Die Steinschleuder schiesst den Stein, den Gott in die Schleuder gesetzt hat, gezielt und kraftvoll los – das steht für mich für Gottes Wort, das proklamiert und gebetet wird. Durch die Kraft, die Gott durch das Gebet freisetzt, können Goliaths über Regionen aber auch in Menschen zerschmettert werden. Das erlebe ich, wenn ich Menschen durch Gebets-Seelsorge begleite. Unsere Gebete sind einfach, doch der Geist Gottes wirkt kraftvoll und setzt Menschen frei. Viele Christen sind froh um Gebet. Aber etliche Gebetsangebote sind bürokratisch geworden, auch in der Schweiz. Man muss sich anmelden und es dauert lange, bis man einen Termin erhält. Viele Angebote sind auch kostenpflichtig und nicht alle haben die finanziellen Mittel sich so eine Unterstützung leisten zu können. Wir möchten unkompliziert, rasch und Auge in Auge mit diesen Menschen beten. Uns ist wichtig, dass die Menschen auch in ihrem Umfeld, in ihrer Wohnung besucht werden und dort mit ihnen gebetet wird. Aus diesem Wunsch heraus bauen wir unter anderem den SOS-Gebetsdienst auf.

Das dritte Symbol ist die Krone. Sie ist sehr prominent bei König David. Die Krone hat stark mit unserer Identität in Gottes Reich zu tun. Wir sind Gotteskinder, Menschen, die für Gott freigesetzt sind, wir haben Anrecht an Gottes Reich. Viele Christen wissen das nicht. Die Krone bedeutet auch Vollmacht in Jesus – auch das ist für viele noch ein Fremdwort. Manche Christen delegieren diese Dinge an ihre Gemeinde oder an ihre Pastoren. Ich habe ein Herz dafür, Menschen dahin zu befreien und zu ermutigen in königlicher Autorität zu leben. Unser Ziel als David Dienst ist es, selbständige und mutige, selbstbewusste und «mündige» Christen freizusetzen, die mit beiden Beinen auf dem Boden stehen und wissen, wer sie in Jesus sind. Dafür bieten wir Impulsvorträge, Workshops und Predigtdienste an.

Wer mehr über unsere Arbeit und unsere Angebote wissen möchte, dem empfehle ich einen Rundgang auf unserer neuen Webseite www.david-dienst.ch

 

Was hat euch dazu bewogen, Ratsmitglied bei Gebet für die Schweiz zu werden?
Das war eine relativ simple Sache. Mir ist wichtig: gemeinsam statt einsam. Ich halte nichts davon, dass jeder selbst rumbastelt. Wir suchen bewusst die Vernetzung mit anderen Institutionen. Wir haben einen Auftrag für die ganze Schweiz und sind überregional unterwegs. Da gehört es für mich zwingend dazu, dass wir uns vernetzen und auch Rechenschaft ablegen können gegenüber anderen Diensten, was wir machen. Wir möchten im Austausch sein, uns gegenseitig unterstützen und Ressourcen miteinander teilen: Wir wollen gemeinsam unterwegs sein. Gemeinsam können wir die Braut Jesu bereit machen und die Herrlichkeit Gottes sichtbar werden lassen – nicht als Einzelkämpfer.

Gebet für die Schweiz (GfdCH) kenne ich schon seit dem Christustag 2009. Dort durfte ich in der Vorbereitungszeit von GfdCH den Lobpreis leiten. Seither war ich immer wieder in Berührung und wurde angefragt, im Kontext von GfdCH den Lobpreis zu leiten, z. B. für Vernetzungstage. Für mich war von Anfang an klar: den Verein David-Dienst möchte ich unter das Dach von GfdCH stellen. Wir wollen uns vernetzen, zusammenarbeiten und unseren Teil ins Gesamte hineingeben. Nur so macht das Ganze für mich Sinn.

 

Dein Herz schlägt für Lobpreis - auch am Nationalen Gebetstag 2018 wirst du die Lobpreiszeit leiten. Was bedeutet es dir, Gott mit Musik anzubeten?
Das ist eine grosse Frage, die sich schwer in wenige Worte fassen lässt. Ich freue mich riesig und es ist ein Privileg, den Lobpreis am Nationalen Gebetstag zusammen mit einem jungen Worship-Team zu leiten und die Menschen in Gottes Gegenwart zu führen.

Musik war in meinem Leben schon immer zentral. Ich bin mit Musik aufgewachsen, spielte mit vier Jahren schon Schlagzeug und andere Instrumente. Das zog sich durch mein ganzes Leben durch. Ich bin aber Jesus-fern aufgewachsen. Ich habe gelernt, mich selbst zu produzieren und ins Zentrum zu stellen. Gerade durch meine Einschränkungen und täglichen Herausforderungen, die ich als Blinder zu überwinden habe, merkte ich schnell, dass es grosse Aufmerksamkeit mit sich bringt, wenn du als Blinder Musik machst. Nach dieser Bewunderung habe ich mich sehr ausgestreckt, aus einem Bedürfnis heraus, etwas zu sein und damit gewisse Hindernisse und Probleme zu verdrängen. Das gab mir das Gefühl: Du bist jemand und kannst es. Das hat mich getrieben. Im Jahr 2000 lernte ich dann Jesus kennen und realisierte: «Hey Moment, darum geht es gar nicht! Das was du kannst ist super, dass du Menschen faszinieren und berühren kannst, und dass du dabei sogar Spass hast. Aber es geht nicht um dich! Diese Gabe hast du von deinem Schöpfer, von Gott bekommen, damit du sie für ihn einsetzt.» Plötzlich realisierte ich: Gott wünscht sich, dass ich für ihn Musik mache, ihm zusinge, ihn gross mache. Dass ich durch die Musik und die Lieder der Welt und den Christen seine Grösse, Herrlichkeit und Liebe zu uns Menschen zeige und ihm so die Ehre gebe.

Das möchte ich auch im Alltag leben. Anbetung und Lobpreis ist mehr als das Singen und Spielen von Liedern. Es ist ein Lebensstil. Mein Streben ist es, mit allem was ich tue und wie ich es tue, Gott immer mehr anzubeten und ihn zu loben und zu preisen. Das gelingt mir mal besser, mal weniger gut. Aber das ist mein Wunsch: Ich möchte ein lebendiger Lobpreis sein für Gott.

Lobpreis ist ein Geben und Nehmen. Wenn du in der Anbetung stehst und dein Herz voller Liebe zum dreieinigen Gott ist, geschieht ein Austausch. Du spürst diese Herrlichkeit und kannst etwas abholen vom Thron Gottes. In der Anbetung entsteht ein Dialog. Du machst nicht nur etwas, du empfängst auch.

Lobpreis öffnet Raum für das Wirken Gottes. Raum, dass die Herrlichkeit Gottes aus der unsichtbaren in die sichtbare Welt hereinbricht. Dass seine Grösse und Macht sichtbar wird und Zeichen und Wunder geschehen.

 

Was bedeutet dir Gebet persönlich?
Wo soll ich da beginnen? Lobpreis und Anbetung kannst du von Gebet nicht trennen. Lobpreis ist eine kreative Form des Gebets, des Dialogs. Gebet ist ein Austausch: reden und zuhören. Gebet ist kein Monolog, sondern ein Dialog. Gebet ist mein Reden, aber vor allem auch mein Hören und Harren auf die Stimme Gottes. Viel zu oft sind wir wie Schafe, die nur vor sich hin blöken und gar nicht zuhören. Wenn der Hirte die Schafe ruft, werden sie still. Sie hören, was der Hirte ihnen sagt. Sobald der Hirte mitten in der Herde ist, fangen sie an zu blöken. So ist es auch im Gebet. Ich muss auch mal den Mund halten und zuhören. Für mich ist das Gebet etwas, das nicht nur einmal oder zwei-dreimal im Tag geschieht, sondern ich möchte ständig mit meinem Herzensohr auf den Heiligen Geist hören und mit Gott im Dialog sein.

Gebet ist für mich etwas ganz Zentrales und Wichtiges. Es ist mein Fundament. Ohne Gebet weiss ich gar nicht, was Gott für mich bereit hat oder was er von mir möchte. Gerade wenn ich als Lobpreisleiter aktiv bin, Menschen im Gebet begleite oder Vorträge halte, bin ich darauf angewiesen, dass ich weiss, was ich sagen, singen oder tun soll. Wenn ich das nicht weiss, kann ich nur Wissen vermitteln. Aber reines Wissen ist tot. Wenn ich das Gebet als Dialog ernst nehme und beherzige, lerne ich, zu hören, was Gott sagt. Wie Jesus gesagt hat: ich kann nur tun, was ich sehe und höre, was mein Vater im Himmel tut (vgl. Joh 8,28). Genau das ist mein Streben. Ich möchte das tun, was ich den Geist Gottes sagen höre.