«Der Glaube beginnt erst so richtig im Alltag!»

«Der Glaube beginnt erst so richtig im Alltag!»

Interview mit Regula Sulser
02 / 05 / 18

Regula Sulser ist Gründerin und Geschäftsführerin von Gourmet Domizil, einem Mahlzeitendienst mit Restaurant in Regensdorf. Was einst als «Einfrau-Betrieb» in der privaten Küche begonnen hat, ist nun zu einem kleinen Unternehmen mit 43 Mitarbeitern angewachsen. Im Interview gibt sie Einblick, wie Gott ihr Leben verändert hat, warum sie beim Beten auch mal klagen kann und wie sie die Kultur in ihrem Betrieb prägen möchte.

 

Du leitest heute einen Betrieb mit vielen Mitarbeitenden - das war nicht immer so. Es gab in deinem Leben eine Zeit der Arbeitslosigkeit und Depression. Wie kam es dazu, dass du heute an einem völlig anderen Punkt stehst?

In der Not und Verzweiflung habe ich mich an Gott gewandt. Ich hatte es satt, nach so vielen Jahren Christsein sah ich herzlich wenig Lebensfülle und Frucht in meinem Leben. Ich habe Gott herausgefordert und seine Verheissungen in Anspruch genommen, z.B. dass er mir die Fülle des Lebens geben will. Und ich habe mich von meinem gesetzlichen, religiösen Christsein getrennt.

Welche Rolle hat das Gebet dabei gespielt?

Das Gebet spielte eine wesentliche Rolle. Und zwar alle Formen des Gebets: klagen, weil ich unzufrieden war mit meiner Situation. Bussgebet, weil Schuld in meinem Leben war. Bitten, weil ich mehr vom Herrn erwartete und an ihn glaubte. Und auch loben, oft als Opfer, weil ich immer dankbar war für das, was der Herr für mich tat.

Du stehst über 40 Mitarbeitenden vor. Wie möchtest du das Klima im Betrieb prägen?

Das Klima in unserm Betrieb ist geprägt von gegenseitiger Wertschätzung. In der Gastronomie herrscht naturgemäss viel Hektik. Und dennoch dominiert bei uns eine grosse Ruhe und ein Frieden. Ich sage auch immer wieder, dass bei uns «erlaubt» ist, Fehler zu machen. Aber unter zwei Bedingungen: erstens soll man dazu stehen und zweitens daraus lernen. Die «Fehlerkultur» ist zugleich das Übungsfeld der Vergebung und die Predigt des Evangeliums. Es ist Praktizieren des Evangeliums pur.
Mit einigen Mitarbeitern treffe ich mich regelmässig zum Gebet. Seit wir das tun, verändert sich auch etwas. Ich kommuniziere meinen Glauben im Alltag. Einige Mitarbeiter bitten mich um Rat und Gebet für ihre persönlichen Nöte. Fast täglich habe ich Gespräche übers Evangelium, weil ich danach gefragt werde. Es ist ermutigend zu sehen, dass mein Leben lauter redet als meine Worte und ich Vorbild sein darf.

Viele von uns fragen sich, wie sie ihre Beziehung zu Gott im Alltag leben können. Wie bleibt dein Glauben im Arbeitsalltag lebendig?

Es gibt keinen Unterschied, ob ich privat unterwegs bin oder im Geschäft, um meinem Glauben zu leben. Ich bin ja auch immer Schweizerin, ob zu Hause oder an der Arbeit! Ich finde sogar, der Glaube beginnt erst so richtig im Alltag. Da habe ich zwischenmenschliche und auch geschäftliche Herausforderungen. Da will ich Jesu Kraft praktisch erleben! Und lebendig bleibt mein Glaube, weil ich ihn konsequent umsetze und die Beziehung mit meinem Herrn pflege.

Was bedeutet dir das Gebet persönlich?

Es ist der Weg, meine Beziehung zum Herrn zu pflegen. Das war und ist der wesentliche Weg, dass ich alles, was mich beschäftigt, mit Gott bespreche. Ich rede mit meinem himmlischen Vater, wenn ich glücklich bin und teile meine Freude mit ihm. Die vielen Entscheidungen in meinem Alltag bespreche ich im Gebet. In der Stille suche ich Gottes Antworten. Manchmal sitze ich auch nur in der Ruhe vor ihm. Das stärkt mich.
Oft höre ich nicht unmittelbar eine Antwort. Dennoch ist es wichtig, meinem himmlischen Vater zu erzählen, was ich denke und plane. Das ist ein Vertrauenserweis und ein Zeichen in der unsichtbaren Welt.