Wallis

Aus der Geschichte

 

Der Märtyrer der thebäischen Legion

Die thebäische Legion unter der Herrschaft des Kaisers Diokletian machte zwischen 285 und 306 n. Chr. in Agaune (dem heutigen Saint-Maurice) im Wallis Halt.

Im Jahre 290 berief Kaiser Diokletian einen Unterkaiser namens Maximian. Zu diesem Zeitpunkt zerfiel das römische Reich, und um die Rebellion zu unterdrücken wurden Legionäre aus gewissen Regionen rekrutiert, um sie in diesen weiter entfernten Orten zu schicken. So wurde auch eine thebäische Legion – bestehend aus koptischen Christen aus Oberägypten – vom römischen Reich rekrutiert, um die weit entfernte Rebellion zu bekämpfen. Unterkaiser Maximian musste damals einen Aufstand nördlich der Alpen, in der Nähe von Martigny unterdrücken. Die Thebäer wurden also geschickt, um diesen Aufstand zu unterdrücken.

Als Mauritius, der Anführer der thebäischen Legion, erfuhr, dass die Rebellen ebenso Christen waren und ihr einziges Verbrechen gegen Rom darin bestand, dass sie sich weigerten, den römischen Herrscher zu verehren, gebot er seinen Soldaten nicht anzugreifen. Maximian aber befahl ihnen, ihn als römischen Substitut des grossen Cäsars zu verehren und die christlichen Rebellen wie befohlen auszurotten. Weil die Thebäer sich weiterhin weigerten, befahl Maximian, diese zu töten. Und weil diejenigen, die übrig blieben, ihrem Glauben immer noch nicht entsagten und sich immer noch weigerten, andere Christen zu verfolgen, erfuhren mehrere hunderte thebäischen Legionäre den Märtyrertod.

Ein Jahrhundert später, wurden die Überreste von Maurice und seinen Kameraden, von Theodor, dem ersten Bischof von Martigny, gefunden und ausgegraben. Gemäss einer Überlieferung von Eucher, dem Bischof von Lyon, soll der Heilige Mauritius dieses wunderbare Glaubenszeugnis von sich gegeben haben: «Kaiser, wir sind deine Soldaten, zuerst jedoch stehen wir im Dienste Gottes. Dir schulden wir militärischen Gehorsam, ihm ein schuldloses Leben. Wir bevorzugen es unschuldig zu sterben, als schuldig zu leben.» Auch wird überliefert, dass eine der überlebenden Frauen, eine mitreisende Krankenschwester namens Verena, daraufhin ein Leben als Missionarin unter den Armen führte und diesen allgemeine hygienische Prinzipien lehrte.

Das Gedenken an diesen Märtyrertod wurde über die Jahrhunderte hinweg sowohl von der katholischen Kirche in Europa als auch von der koptischen Kirche in Ägypten hoch gehalten. In Vérolliez wurde eine kleine Kapelle errichtet, deren Standort bekannt ist. Im Jahr 515 wurde die Abtei Saint-Maurice gegründet.

Sigismund, der König der Burgunder, versammelte Mönche aus verschiedenen Klöstern und gab ihnen den Auftrag, an diesem Ort ständig einen Gotteslob zu singen. Seitdem steigt von hier aus täglich ein Gotteslob hinauf zum Himmel. Zudem ist es der älteste Ort im Abendland, an dem ein kontinuierlicher Gottesdienst stattfindet. Im 2015 werden 15 Jahrhunderte ununterbrochenes Gebet in der Abtei Saint-Maurice gefeiert.

 

Kantonsfahnenträger 

Philippe Beeusaert

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