Neuenburg

Aus der Geschichte

 

Der Hugenotte Jacques-Louis de Pourtalès in Neuenburg (1722-1814)

Dass die Hugenotten im Kanton aufgenommen wurden (von Beginn 16. bis Ende 18. Jh.), war ein grosser Segen für seine Gastgeber. Es fand eine religiöse und moralische Erweckung in der Neuenburger Bevölkerung statt. Jacques-Louis de Pourtalès war ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann. Er gab beflissen den Zehntel ab für die Armen und Kranken und ermöglichte dadurch den Bau des Pourtales-Spitals im Jahr 1808. Heute ist das Pourtales-Spital das Hauptkrankenhaus der Stadt Neuenburg.

Aktion: Gottes Wort für alle zugänglich machen durch Übersetzung und Druck der Bibel

Nach der Predigt des Reformators Guillaume Farel (1489-1565) war die Stadt Neuenburg die wichtigste französischsprachige Stadt, die die Reformation so radikal annahm – und sechs Jahre lang war sie gar die Einzige. Diese Freiheit brachte den Druck der ersten Bibel, die aus dem Griechischen und Hebräischen ins Französische übersetzt worden war, mit sich: die „Bible Olivetan“ oder auch „Märtyrerbibel“ aus dem Jahr 1535. Der Segen ging dann weiter mit dem Druck der „Bible Ostervald“, eine Übersetzung von Pfarrer Jean-Frédéric Ostervald (1663-1747), und der „Bible Annotée“, die dank einer Gemeinschaft von Theologen und Pfarrern unter der Leitung des Theologen Frédéric Godet (1812-1900) entstand.

Diese Bibeln und Werke sind heute noch historische Quellen für Studien, Referenzen und geistige Inspiration. Im gleichen Elan, Gottes Wort möglichst allen zugänglich zu machen, hat auch Radio Réveil in Bevaix 1949 seinen Dienst aufgenommen und verbreitet seither Gottes Wort über Äther; 1987 folgt dann auch der TV-Sender Canal Alpha in Cortaillod.

Héloïse Sandoz (1815-1883) und die Erweckung von Ponts-de-Martel

Héloïse und einer ihrer Brüder waren in einen Schneesturm geraten, als sie mit einem Schlitten von Couvet zurückkamen, und verirrten sich in den Mooren. Als sie schon alle Hoffnung verloren hatten, baten sie inbrünstig zu ihrem Herrn im Himmel und gelobten, ihn noch mehr zu lieben und ihm noch mehr zu dienen, würden sie diese Nacht heil überstehen. Wie ein Wunder brachte das Pferd die zwei Jugendlichen nach Hause. Héloïse sank auf ihre Knie und dankte Gott mit so viel Inbrunst, dass ihre Geschwister und andere Jugendliche aus dem Dorf im Innersten berührt wurden. Alle haben in dieser Nacht weiter Lobpreis gesungen, die Bibel gelesen und rund ums Heim getanzt. Auf Initiative von Héloïse, haben sie sich geeinigt, dies jede Woche wieder zu tun. Die Erweckung war geboren. Eine Missionierungsarbeit begann. Hunderte von Dorfbewohnern bekannten sich zu der Bewegung. Diese „wiedergeborenen Christen“ leisteten den Armen, Kranken und Trauernden geistige und materielle Unterstützung. Es wurde weiterhin eine Gesellschaft zum gegenseitigen Unterricht ins Leben gerufen, um das Bildungsniveau der Bevölkerung zu heben. Und viele gingen dann in die Mission.

Auch heute noch erlebt man in Ponts-de-Martel Lobpreis- und Gebetsabende. Es gibt Gruppen, die Familien in Not geistige und materielle Unterstützung zukommen lassen. In den letzten 30 Jahren übernahmen Personen speziell aus diesem Dorf Leitungsfunktionen im ganzen Kanton.

 

Kantonsfahnenträger  

Jean-Pierre Zbinden  

032 731 99 16

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